Wirkungsmessung

Die Wirkungsmessung ist international zum Standard der Leistungsbeurteilung von NPO geworden und erhält auch in der Schweiz immer mehr Aufmerksamkeit. Für viele Stiftungen und Vereine – gerade mit kleineren Budgets – stellt sich jedoch die Frage, ob der Mitteleinsatz für Wirkungsmessung gerechtfertigt ist und Nutzen stiftet.

Es ist ein Fehler, unter Wirkungsmessung primär aufwendige Erhebungsmethoden und komplexe Messmodelle zu verstehen. Viel wichtiger ist es, die Wirkungsorientierung als Grundsatz der Arbeit aufzufassen. Denn Wirkung erhöht sich, wenn sie bei der Projektauswahl mitberücksichtigt wird.

Das «Kursbuch Wirkung – Edition Schweiz» bietet hierfür eine äusserst nützliche und praktische Arbeitsgrundlage. Von der Planung von Wirkung, über die Definition von Zielgruppen und die Entwicklung einer Wirkungslogik bis hin zu Analyse und Kommunikation von Wirkung beschreibt es leicht verständlich und Schritt für Schritt den Weg hin zu einer systematischen Wirkungsorientierung.

Die nachfolgenden 10 Tipps sollen insbesondere kleineren Organisationen (fördernd oder operativ) dabei helfen, Wirkungsorientierung in ihre Aktivitäten zu integrieren.

Hinter jedem Förderentscheid und jedem Projekt steht die Annahme der erwünschten Folgen und Wirkungen. Meist bleiben diese aber implizit und unausgesprochen. Daher ist der erste und wichtigste Schritt zur Wirkungsorientierung, diese Folgeannahmen explizit zu formulieren und offenzulegen.

Im einfachsten Fall geschieht dies in Form von Wenn-dann-Aussagen, z.B.: «Wenn wir Kindern aus armen Familien eine Ferienfreizeit ermöglichen, dann erhalten sie neue Impulse und Kraft, und ihre Familien werden spürbar entlastet.»

Nichts verschlingt mehr Ressourcen, als wenn Wirkungsmessung immer wieder neu konzipiert und erfunden wird. Überlegen Sie sich einige wenige stichhaltige Kennzahlen und Wirkungsindikatoren, die Sie bei allen Projekten erheben. Diese können «harte», zählbare Faktoren (z.B. Anteil der zufriedenen Kursteilnehmenden) oder aber auch «weiche», beschreibende Kriterien (z.B. Kurzberichte von Teilnehmenden) sein.

Es ist sinnvoll, dass Sie sich zu Beginn ein einfaches «Logic Framework» für Ihre Organisation überlegen.

Selbst bei grossen Projekten ist es oftmals schwierig, das Ausmass der Wirkung auf die Zielgruppe eindeutig zu bestimmen. Eine Nachmittagsbetreuung von Schülern hat sicherlich einen positiven Einfluss auf den Schulerfolg, aber es ist nur einer von vielen Faktoren. Grundsätzlich sollten Sie die Zielsetzung Ihres Projektes zu Beginn festlegen, und dann die gemessenen Wirkungen mit diesen Zielen vergleichen. Dabei ist es wichtig, realistisch zu bleiben, um sowohl den eigenen Erwartungen als auch denjenigen der Beteiligten gerecht zu werden.

Wirkungsorientierung und –messung erhöhen den administrativen Aufwand bei Förderern wie auch bei operativen Organisationen. Deshalb sollten Sie sich gut überlegen, welche Informationen wirklich notwendig sind. Setzen Sie nur die Messinstrumente ein, die Sie für Ihre Analyse tatsächlich benötigen. Wenn verschiedene Förderer an Ihrem Projekt beteiligt sind, stimmen Sie gemeinsam ab, welche Messfaktoren und Resultate erhoben werden sollen.

Vorstufe der Wirkungsmessung ist ein systematisches Monitoring. Erfassen Sie ihre Leistung (z.B. wie viele Stipendien pro Jahr werden vergeben, wie viele Kinder haben einen Theaterkurs besucht) in strukturierter Form. Dies liefert die benötigten Grundlagendaten, auf denen Ihre Wirkungsmessung - und Ihre Kommunikation - aufbauen.

Kleine Förderstiftungen scheuen oft vor engem Kontakt zu ihren Förderpartnern zurück, da sie befürchten, aus dieser Beziehung heraus für die Zukunft verpflichtet zu werden. Auf der anderen Seite verfügen die Geförderten oft über knappe zeitliche Ressourcen und empfinden Projektbesuche durch die Förderer als Belastung. Doch eigentlich stellt ein regelmässiger Kontakt und Austausch zwischen den Partnern ein Gewinn für beide Seiten dar. Denn bei der Wirkungsmessung ist die Investition in Vertrauen oftmals günstiger als eine rigide Kontrolle.

Die Wirkung von Projekten ist oft nicht sofort erkennbar. Ein Nachwuchsmusiker sucht nach dem erhaltenen Stipendium bereits das Nächste und die Kinder in der Tüftlerwerkstatt gehen im Jahr darauf in ein Fussballcamp. Oftmals wird den Betroffenen selbst erst sehr viel später bewusst, welchen positiven Effekt ein bestimmtes Angebot auf ihr weiteres Leben hatte. Ermöglichen Sie daher auch langfristige Feedback-Möglichkeiten, z.B. auf einer Homepage, und fragen Sie nach einer gewissen Zeit nach. Dies kann für Ihre langfristige Arbeit zentral sein.

Selbstverständlich kostet Wirkungsmessung etwas, selbst wenn Sie den Grossteil über ehrenamtliche Arbeit abdecken. In der Praxis findet man Empfehlungen zum Anteil der Wirkungsmessung an den Projektkosten. So empfiehlt Pro Helvetia für den Kulturbereich 3 bis 10% und die Stiftung Zewo für die Entwicklungszusammenarbeit 0,5 bis 2,5% der Projektkosten für Wirkungsmessung aufzuwenden.

Bei kleineren Projekten sind diese Zielwerte wenig hilfreich. Stattdessen sollten Sie sich überlegen, für welche Projekte sich eine aufwändigere Wirkungsmessung lohnt, und für welche Projekte eine Wirkungsmessung in mehrjährigem Abstand ausreichend ist. Wenn Sie Tipp 5 berücksichtigen, können dazwischen Aussagen über die Wirkung auch aus dem Output abgeleitet werden.

Wirkungsmessung ist ein Posten in Ihrem Projektbudget, sie findet nicht irgendwo zwischen den Zeilen statt.

Die Wirkungsorientierung ist nur dann wirksam, wenn sie auch Konsequenzen auf Entscheide in der Organisation hat. Nicht nur die Evaluation, auch der Rückfluss der Erkenntnisse ins System muss geplant werden. Nutzen Sie die Erkenntnisse der Wirkungsmessung gerade auch bei schwierigen und wenig beliebten Entscheiden, beispielsweise wenn Budgets aufgrund reduzierter Erträge verkleinert werden müssen.

Nichts ist schöner, als über eine gelungene Förderung oder ein erfolgreiches Projekt zu berichten. Nutzen Sie das Wissen aus Ihrer Wirkungsmessung, um andere von Ihrem Thema zu überzeugen. Damit erzeugen Sie bereits wieder neue Wirkung!