Voices of Impact 2026

Wie Destinatäre Schweizer Förderstiftungen erleben

Wie nehmen Förderpartner und Antragsteller ihre Stiftungen wahr? Was funktioniert gut, und wo gibt es Verbesserungspotenzial? Diesen Fragen geht «Voices of Impact 2026» nach. Die Studie des Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel ist in Zusammenarbeit mit SwissFoundations entstanden. Nach dem Grantee Review Report 2019 ist es die zweite breit angelegte Befragung dieser Art in der Schweiz.

Acht Schweizer Förderstiftungen haben teilgenommen. Ausgewertet wurden die Antworten von 600 Förderpartnern und 409 Antragstellern. Themen waren das Verständnis der Stiftungen für den Tätigkeitsbereich, Kommunikation und Transparenz, die Antragsvorbereitung, die Förderphase und der Umgang mit Absagen.

Was wir aus dem «Voices of Impact»-Report lernen

Der Voices of Impact Report bietet einmalige Einsichten in das oft wenig sichtbare Verhältnis von Förderstiftungen und ihren Destinatären. Dank der Erhebung spezifischer Förderbeziehungen können die Ergebnisse nach den Erfahrungen von erfolgreichen Förderpartnern und nicht erfolgreichen Antragstellern getrennt analysiert werden. Hier haben wir sechs wichtige Handlungsempfehlungen für Stiftungen und Destinatäre zusammengefasst:

1. Gute Förderung beginnt mit gegenseitigem Verständnis

Stiftungen und Destinatäre bringen unterschiedliche Perspektiven, Erwartungen und Erfahrungen in den Förderprozess ein. Das zeigt sich auch in der Bewertung der Kommunikation: 97 % der Förderpartner erleben sie positiv, bei den Antragstellenden sind es 63 %.

Ein gemeinsames Verständnis von Förderzielen, Erwartungen und Rahmenbedingungen ist deshalb entscheidend. Je klarer beide Seiten wissen, was die jeweils andere Seite braucht und erwartet, desto gezielter können Ressourcen eingesetzt und passende Projekte zusammengebracht werden.

2. Persönlicher Austausch schafft Vertrauen – und bessere Voraussetzungen für Zusammenarbeit

75 % der Förderpartner konnten ihr Projekt vor der Antragstellung persönlich mit der Stiftung besprechen, bei den Antragstellenden waren es nur 25 %. Gleichzeitig bewerteten jene, die ein solches Gespräch führen konnten, die Beziehung auch nach einer Ablehnung deutlich positiver.

Persönlicher Austausch ist damit mehr als ein Service: Er schafft Verständnis, ermöglicht Fragen und hilft beiden Seiten einzuschätzen, ob ein Projekt und eine Stiftung tatsächlich zusammenpassen. Destinatäre sollten Möglichkeiten zum Austausch mit Stiftungen – wenn immer möglich – nutzen.

3. Transparenz macht Förderung zugänglicher und effizienter

Nur 48 % der Förderpartner und 30 % der Antragstellenden wissen, wie der Selektionsprozess abläuft. Gleichzeitig werden Merkblätter, Webseiten und andere Unterstützungsangebote vergleichsweise wenig genutzt.

Transparenz ist damit nicht nur eine Frage der Information, sondern auch der Effizienz und des Zugangs. Je besser beide Seiten wissen, nach welchen Kriterien, in welchem Verfahren und mit welchem Zeithorizont entschieden wird, desto gezielter können sie ihre Ressourcen einsetzen.

Stiftungen können Förderkriterien, Ausschlusskriterien, Prozessschritte und Zeitplan möglichst konkret veröffentlichen und Unterstützungsangebote sichtbar machen. Destinatäre sollten diese Informationen vor einer Antragstellung nutzen und dadurch unnötige Anträge vermeiden. Das erhöht die Chance, dass knappe Fördermittel und die Zeit aller Beteiligten dort eingesetzt werden, wo eine gute Passung besteht.

4. Auch eine Absage kann eine wertvolle Lernerfahrung sein

Eine Förderbeziehung beginnt nicht erst mit einer Zusage. 43 % der Antragstellenden erfahren die Gründe für eine Ablehnung nicht. Gleichzeitig sind jene, die eine Ablehnung nachvollziehen können, deutlich zufriedener mit der Stiftung (72 % gegenüber 26 %).

Eine nachvollziehbare Rückmeldung kann deshalb für beide Seiten wertvoll sein: Antragstellende erhalten die Möglichkeit, aus der Erfahrung zu lernen und künftige Anträge zu verbessern. Stiftungen wiederum erhalten Einblicke darin, wie ihre Entscheidungsprozesse wahrgenommen werden. So kann auch eine Absage zu einer konstruktiven Erfahrung werden.

5. Der richtige Aufwand ist nicht möglichst wenig – sondern möglichst sinnvoll

Für die Vorbereitung eines Antrags investieren Förderpartner im Durchschnitt 28 Stunden, Antragstellende 21 Stunden. Rund ein Drittel empfindet den Aufwand als zu hoch. Gleichzeitig werden die 13 Stunden durchschnittlicher Berichtsaufwand von 78 % der Förderpartner als angemessen beurteilt. Nicht jede formale Anforderung wird also generell als Bürokratieproblem wahrgenommen. Entscheidend ist vielmehr, ob Aufwand und Nutzen in einem nachvollziehbaren Verhältnis stehen.

Stiftungen und Destinatäre können gemeinsam darauf achten, dass Anforderungen zur Grösse und Komplexität einer Förderung passen. Kurzanfragen, zweistufige Antragsverfahren, klare Vorlagen oder eine proportionale Berichterstattung können dort entlasten, wo zusätzlicher Aufwand keinen entsprechenden Mehrwert schafft. Gleichzeitig kann eine gut gestaltete Evaluation einen Mehrwert bieten: 57 % der Förderpartner sagen, dass Berichterstattung und Evaluation ihr Projekt vorangebracht haben.

6. Vertrauen bedeutet mehr Autonomie und mehr gemeinsames Lernen

Die Studie zeigt eine bemerkenswerte Kombination: 94 % der Förderpartner fühlen sich gehört und respektiert, 73 % erleben bei der Umsetzung ihrer Projekte eine hohe Autonomie. Gleichzeitig berichten 57 %, dass Berichterstattung und Evaluation ihr Projekt vorangebracht haben.

Wirksame Förderung bedeutet damit nicht einfach „Geld geben“ oder „Geld erhalten“. Sie kann Räume für Eigenverantwortung, Reflexion, Vernetzung und Lernen schaffen. Der Report zeigt zugleich, dass hier noch Entwicklungspotenzial liegt: 32 % der Förderpartner haben bereits eine Form der Mitwirkung an der strategischen Ausrichtung der Förderstiftung erlebt, 68 % hingegen noch nicht. Stiftungen können dort, wo es zu ihrem Selbstverständnis passt, Destinatäre früher in Strategie- und Programmentwicklung einbeziehen – etwa durch Konsultationen, Austauschformate oder gemeinsam entwickelte Förderprogramme. Destinatäre wiederum können ihr Praxiswissen aktiv einbringen und Rückmeldungen zu Förderprozessen geben.

An der Studie beteiligt waren die folgenden Förderstiftungen:

  • Age-Stiftung
  • Arcanum Stiftung
  • Fondation Leenaards
  • Hasler Stiftung
  • Hear the World Foundation
  • Sophie und Karl Binding Stiftung
  • Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG)
  • Stiftung Mercator Schweiz
  • Linsi Foundation
  • SwissFoundations

Der Bericht ist hier auf Deutsch und Französisch verfügbar, mit einer Executive Summary auf Englisch.

Wenn auch Sie interessiert sind an einer entsprechenden Analyse für Ihre Förderstiftung, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Voices of Impact 2026 Titelbild

Voices of Impact 2026 bietet nach dem Grantee Review Report 2019 zum zweiten Mal in der Schweiz eine Beurteilung der Unterstützungsleistungen von Förderstiftungen aus Sicht der Destinatäre. Befragt wurden Förderpartner und Antragsteller von acht Förderstiftungen.

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