Weniger Gründungen, mehr Liquidationen. Der Schweizer Stiftungssektor bleibt dennoch dynamisch.

Basel/Genf/Zürich, 25. April 2019

Das Wachstum im Schweizer Stiftungssektor hat sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt. Die Anzahl der neu gegründeten Stiftungen liegt mit 301 auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Gleichzeitig wurden 2018 so viele Stiftungen liquidiert wie noch nie. Mit 13'169 gemeinnützigen Stiftungen hält die Schweiz aber immer noch eine internationale Spitzenposition und weist pro Kopf sechsmal mehr Stiftungen auf als die USA oder Deutschland.

Der Stiftungssektor in der Schweiz ist wie auch in anderen westlichen Ländern historisch gewachsen. Kirchliche Stiftungen wurden mit der Entstehung des Bürgertums durch Stiftungen weltlichen Zuschnitts abgelöst. Die Förderstiftung im heutigen Sinn, die Organisationen, Projekte oder Einzelpersonen mittels Zuwendungen unterstützt, entstand im ausgehenden 19. Jahrhundert. Allen voran geprägt von Andrew Carnegie, der vor genau 100 Jahren gestorben ist. Wie eine laufende Dissertation an der Universität Basel aufzeigt, sind gemeinnützige Stiftungen heute in der Schweizer Gesellschaft fest verankert. «Stiftungen sind Teil einer lebendigen und intakten Zivilgesellschaft. Wir können feststellen, dass sie in der Schweiz nicht nur in den Städten einen wichtigen Bestandteil der Gesellschaft darstellen, sondern dass sie auch in vielen kleineren Ortschaften und Dörfern sozialpolitisch und ökonomisch tief verwurzelt sind», führt Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel, aus.

Neugründungen und Liquidationen verändern den Stiftungssektor
Immer noch haben viele, insbesondere kleinere, Stiftungen mit geringen Finanzerträgen, Schwierigkeiten bei der Nachfolge im Stiftungsrat oder der Zweckerfüllung zu kämpfen. So hat die Anzahl Stiftungsliquidationen mit 195 im letzten Jahr einen neuen Rekordstand erreicht. Daneben nimmt die Regulierungsdichte, zunehmend auf internationalen Druck hin, weiter zu. Massnahmen gegen Geldwäscherei, Terrorismusfinanzierung und Steuerhinterziehung, wie etwa die geplante Abschaffung der Ausnahmen für gemeinnützige Stiftungen im Automatischen Informationsaustausch, führen zu einer immer stärkeren Bürokratisierung und höheren Kosten. Dies mögen weitere Gründe für den Stiftungsrückgang sein, hält Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, fest: «Auffallend ist, dass der Kanton Genf, der sich mit seiner im letzten Jahr gegründeten Initiative Genève et la Philanthropie aktiv um gute Rahmenbedingungen bemüht, mit 54 Neugründungen und 19 Liquidationen das mit Abstand grösste Nettowachstum im Schweizer Stiftungssektor aufweist. Umgekehrt zeigt sich die Situation im Kanton Zürich, dem grössten Stiftungskanton, der unter anderem für eine sehr restriktive Steuerpraxis bekannt ist. Hier ist das Stiftungswachstum mit 29 Neugründungen und 35 Liquidationen erstmals rückläufig.»

Ungenügender Frauenanteil in Stiftungsräten
Ein Stiftungsratsmandat ist nach wie vor im besten Sinn des Wortes ein Ehrenamt. Wenig überraschend ist denn auch mehr als die Hälfte der nationalen Parlamentsmitglieder in mindestens einem Stiftungsrat engagiert. In den 13'169 gemeinnützigen Schweizer Stiftungen waren Ende 2018 insgesamt 62'102 Stiftungsrätinnen oder -räte aktiv. 2.1% dieser Personen sind in drei oder vier Stiftungsräten engagiert, was auf eine wenig verbreitete Ämterkumulation im Schweizer Stiftungswesen hindeutet. Weniger vorteilhaft zeigt sich die Diversität im Stiftungswesen. Fast ein Drittel aller Stiftungsratsgremien ist rein männlich besetzt, wogegen nur gerade 2.1% ausschliessliche Frauengremien sind. Wenn der Frauenanteil im Schweizer Stiftungssektor mit 28% auch über demjenigen von Verwaltungsräten in der Wirtschaft (19%) liegt, zeigt sich hier ein deutlicher Nachholbedarf.

Gerichte und Politik behindern zunehmend eine positive Sektorentwicklung
Im Bereich der Rechtsprechung waren im vergangenen Jahr mehrere bedeutsame Entscheide zu verzeichnen, mit Konsequenzen für die Rechte und Pflichten von Stiftungsräten. Auffallend ist die Tendenz der Gerichte, den Zugang zur Stiftungsaufsichtsbeschwerde zu erschweren, wie Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, feststellt: «Das Bundesgericht hat im Fall der Biedermann-Stiftung der abgesetzten Stiftungsrätin das Beschwerderecht abgesprochen. Mit diesem und weiteren Entscheiden entziehen die Gerichte gerade jenen Personen ein wichtiges Governance-Instrument, die frühzeitig über allfällige Fehlentwicklungen innerhalb einer Stiftung Bescheid wissen. Eine mehr als bedauerliche Entwicklung, die sich auf Dauer als nachteilig für den Stiftungssektor erweisen kann.» Die geplante Unterstellung gemeinnütziger Stiftungen mit Auslandsbezug und eigenem Vermögen unter den Automatischen Informationsaustausch weist auf eine andere bedenkliche Entwicklung hin: Immer häufiger sind gemeinnützige Organisationen von Finanzmarktregulierungen betroffen, die weder für sie entwickelt wurden noch inhaltlich auf sie passen.

Schweiz beim Global Philanthropy Environment Index an vierter Stelle
Der 2018 erstmals veröffentlichte Global Philanthropy Environment Index, der nicht das philanthropische Engagement selbst misst, sondern das politische, regulatorische und gesellschaftliche Umfeld für Philanthropie, stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Sie liegt hinter Finnland, den Niederlanden und den USA auf dem vierten Platz. Vergleicht man den Global Philanthropy Environment Index zudem mit weiteren soziologischen und wirtschaftlichen Indizes, so zeigt sich, wie eng verflochten eine freiheitlich-demokratische Grundordnung mit einem starken philanthropischen Engagement ist. Der Themenschwerpunkt der zehnten Ausgabe des Schweizer Stiftungsreports, #NextPhilanthropy, richtet den Blick über die Grenze und in die Zukunft. Entwicklungen in Bereichen wie Digitalisierung, Globalisierung und Demografie werden auch das philanthropische Engagement prägen und verändern. Eine vom Bundesverband Deutscher Stiftungen lancierte Diskussionsplattform hat dazu einige Hypothesen formuliert: Die Philanthropie der Zukunft wird globaler, transparenter, direkter und partizipativer, kooperativer, digitaler, wirtschaftlicher und investiver.

Auskunft

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Schweizer Stiftungsreport

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich vom Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, und dem Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich herausgegeben. Er enthält aktuelle Zahlen, Fakten und Trends aus dem In- und Ausland und soll zu einer besseren Wissensgrundlage im Stiftungswesen beitragen.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil der NPO, welche ihre Bilanz und Erfolgsrechnung im Internet publizieren, von 86 % auf 91 %. Dies zeigt das diesjährige «Jahrbuch der Hilfswerke», das vom Center for Philanthropy Studies der Universität Basel und der Beratungsfirma PPCmetrics veröffentlicht wurde.

Schweizer Hilfswerke werden immer transparenter. Für das Jahr 2017 publizierten 91 % der 497 Zewo-zertifizierten Organisationen ihre Bilanz und Jahresrechnung, 73 % publizierten zusätzlich eine detaillierte Jahresrechnung, wohingegen bei 9 % der Organisationen zum Zeitpunkt der Analyse (August 2018) kein Jahresbericht und keine Jahresrechnung aufgeschaltet waren. Der Detaillierungsgrad der Berichterstattung variiert stark. 35 % der untersuchten NPO weisen ihren Aufwand detailliert in den Kategorien Projekt-, Fundraising- und Administrationsaufwand aus und 24 % legen ihre Wertschriftenallokation offen.

Diese Ergebnisse sind Teil des aktuellen Jahrbuchs der Hilfswerke 2018, das vom Center for Philanthropy Studies der Universität Basel und der Beratungsfirma PPCmetrics veröffentlicht wurde. Es enthält alle wichtigen Kennzahlen von gemeinnützigen, spendensammelnden NPO und basiert auf den öffentlich verfügbaren Jahresrechnungen der 497 Zewo-zertifizierten Organisationen.

Auswertung über drei Jahre

Erstmals wurden im Jahrbuch einzelne Auswertungen über drei Jahre vorgenommen. Bei der Reservequote zeigt sich während der Periode von 2015 bis 2017 grundsätzlich ein stabiles Bild. Allerdings ist der Anteil an Organisationen mit Reserven von weniger als drei Monaten leicht angestiegen. Und insgesamt konnten bei rund einem Fünftel der NPO starke Veränderungen der Reservequote beobachtet werden.

NPO im Vergleich weniger Anlagerisiken ausgesetzt

Investitionen an den Kapital- und Immobilienmärkten führen zu Anlagerisiken, deren Höhe von der Anlagestrategie (z. B. Anteil an Aktien, Obligationen) abhängt. Aus dem Vergleich der durchschnittlichen NPO mit anderen institutionellen Anlegern aus der Schweiz, hauptsächlich Pensionskassen, wird ersichtlich, dass Hilfswerke allfällige Vermögensbestände sehr vorsichtig investieren. Laut dem Jahrbuch konnte die durchschnittliche NPO 2017 annäherungsweise +3.5 % Rendite (vor Kosten) auf ihrem Finanzvermögen erwirtschaften. Diese im Vergleich zu den Pensionskassen im guten Anlagejahr 2017 eher tiefe Rendite kann auf die geringeren Anlagerisiken zurückgeführt werden.

Weitere Auskünfte

Dr. Luzius Neubert, CFA, Senior Investment Consultant, PPCmetrics AG, Tel. +41 44 204 31 11, E-Mail: luzius.neubert-at-ppcmetrics.ch

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Universität Basel, Center for Philanthropy Studies, Tel. +41 79 331 27 83, E-Mail: georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Zürich/Genf, 22. Mai 2018

13'129 gemeinnützige Stiftungen mit fast 100 Milliarden Franken Stiftungskapital tragen in vielfältigen Bereichen dazu bei, dass unsere Gesellschaft funktioniert und sich weiterentwickeln kann. Dies gilt gleichermassen für die klassische Förderung von Kultur-, Wissenschafts- und Sozialprojekten als auch für neuste technologischen Entwicklungen wie Blockchain. 2017 wurden in der Schweiz 364 neue Stiftungen gegründet. Die Stiftungsdichte hierzulande gehört nach wie vor zur europäischen Spitze. Davon profitieren insbesondere die Menschen in der Schweiz. Rund 70% aller gemeinnützigen Stiftungen sind regional verankert und unterstützen gemeinnützige Initiativen und Vorhaben vor Ort. Der Sektor wächst aber nicht nur, sondern wird auch zunehmend professioneller.

Zahlen & Fakten I –  Grosse Dynamik im Sektor

2017 ist die Anzahl gemeinnütziger Stiftungen in der Schweiz weiter gewachsen. Im Schnitt wurde eine Stiftung pro Tag errichtet. Das grösste Wachstum verzeichnet mit 57 neuen Stiftungen der Kanton Zürich, gefolgt von Genf (55) und Zug (47). Die meisten Neugründungen in Zug sind mit der Blockchain-Technologie verbunden. Für die Umsetzung dieser Technologie ist die Rechtsform Stiftung nicht unerheblich, bietet sie doch ein geschütztes und stabiles Gefäss für das der Blockchain zugrundeliegende Protokoll. Wie hoch die Dynamik im Schweizer Stiftungswesen ist, belegt der Umstand, dass die Hälfte aller gemeinnützigen Stiftungen in den letzten 20 Jahren entstanden ist und die Stiftungsdichte mit 15,6 Stiftungen auf 10'000 Einwohner einen internationalen Spitzenplatz darstellt. Parallel zu dieser Entwicklung haben die Liquidationen zugenommen. Die 187 aufgelösten Stiftungen im vergangenen Jahr sind der zweithöchste Wert nach den 206 Liquidationen im 2014. Besonders dramatisch zeigt sich die Situation im Kanton Aargau, der mit vier Neugründungen und vierzehn Liquidationen ein Minuswachstum sowie die niedrigste Stiftungsdichte in der Schweiz aufweist. Viele, insbesondere kleinere Stiftungen, leiden nach wie vor am Niedrigzinsumfeld oder konnten ihre Tätigkeit aus anderen Gründen nicht mehr fortführen.

Zahlen & Fakten II – Stiftungsvermögen auf fast 100 Milliarden Franken angewachsen

Seit der letzten Erhebung 2012 ist das Stiftungsvermögen um knapp 30% auf fast 100 Milliarden Schweizer Franken angestiegen. Das grösste Vermögen mit 40 Milliarden Franken, aufgeteilt auf 4362 Stiftungen, beaufsichtigt die Eidgenössische Stiftungsaufsicht, gefolgt von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Land, deren Stiftungen ein Gesamtvermögen von knapp 17 Milliarden Franken aufweisen. Die durchschnittliche Bilanzsumme einer gemeinnützigen Schweizer Stiftung beläuft sich auf 8,2 Millionen Franken, wobei letztjährige regionale Erhebungen gezeigt haben, dass rund 80% aller Stiftungen über weniger als fünf Millionen Franken Vermögen verfügen. Aber auch kleinere Stiftungen können eine grosse Wirkung erzielen. „Kleinere Stiftungen sind zentrale Förderer des sozialen Kitts, der unsere Gesellschaft fit macht. Sie sind häufig lokal verankert und unterstützen Projekte und Vorhaben nicht nur mit Geld, sondern auch mit anderweitigen Ressourcen wie Know-how und Netzwerken“, betont Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen und Mitherausgeber des Schweizer Stiftungsreports.

Rechtliche Entwicklungen

Politisch und stiftungsrechtlich war das vergangene Jahr vor allem von der Frage nach der Beschwerdeberechtigung sowie den Entwicklungen rund um die parlamentarische Initiative Luginbühl zur Stärkung des Schweizer Stiftungsplatzes geprägt. Die Rechtskommission des Ständerates hat wider Erwarten den Auftrag erhalten, diese umzusetzen und wird sich nun unter anderem mit der Frage eines Gemeinnützigkeitsregisters beschäftigen müssen. Mit welchen Hürden der Gesetzgeber bei solch breit angelegten Registern zu kämpfen hat, zeigt ein Blick nach Deutschland, wo die Einführung eines Transparenzregisters alles andere als geglückt ist. Ein Thema, das die obersten Gerichte in der Schweiz vermehrt beschäftigen wird, ist die Frage, wer im Fall von gemeinnützigen Stiftungen beschwerdeberechtigt ist. Sind dies beispielsweise nur amtierende oder auch ehemalige Stiftungsräte? In den meisten dieser Fälle sind auch die Stiftungsaufsichten involviert.

Dass die aufsichtsrechtliche Aufgabe immer komplexer wird, die Unzufriedenheit seitens der Stiftungen aber auch zunimmt, erläutert der Beitrag „Patient Stiftungsaufsicht – eine Kurzdiagnose“ im Schweizer Stiftungsreport 2018. Prof. Dominique Jakob, Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht der Universität Zürich, hält darin fest: „Stiftungen sollte im Grundsatz Vertrauen entgegengebracht werden. Vor allem sollten sich die Behörden auf ihren zentralen Auftrag besinnen: Er lautet Schutz der Stiftungen, nicht Schutz vor Stiftungen.“

Themen & Trends – Aktuelle Stiftungsmodelle

Modelle wie Dachstiftungen bieten insbesondere kleineren Vermögen eine attraktive Alternative zur eigenen Stiftungsgründung. Sie ermöglichen Stiftungsinteressierten, stiftend tätig zu werden ohne selbst eine rechtsfähige Stiftung gründen zu müssen. In jüngster Zeit nimmt die Idee deutlich an Fahrt auf. Allein seit 2015 sind in der Schweiz sieben Stiftungen entstanden, die entweder von Anfang an als Dachstiftung konzipiert wurden oder in den Statuten diese Möglichkeit explizit offenlassen. Dazu zählen etwa die Dachstiftung Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee oder die vom Kanton Graubünden errichtete Gemeinnützige Dachstiftung Graubünden, die interessierten Personen ein Gefäss für gemeinnützige Förderanliegen im Kanton Graubünden bietet.

Spezialfokus – Zehn Jahre Philanthropie-Forschung

Mit dem Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, das 2008 von SwissFoundations lanciert wurde, und dem Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich feiern 2018 gleich zwei universitäre Forschungszentren für Stiftungswesen und Philanthropie in der Schweiz ihr zehnjähriges Jubiläum. Als die beiden Institute 2008 gegründet wurden, gab es europaweit gerade deren vier. Heute ist die Zahl auf über zwanzig angewachsen. Für den Leiter des CEPS, Prof. Georg von Schnurbein, steht insbesondere ein interdisziplinärer Forschungsansatz im Fokus: „Unter Philanthropie verstehen wir jede private freiwillige Handlung für einen gemeinnützigen Zweck. Dazu zählen nicht nur Stiftungen und Grossspender, sondern auch die Freiwilligenarbeit, Sachleistungen oder Wissen, das beispielsweise über Wikipedia kostenlos zur Verfügung gestellt wird.“ Wie wichtig Forschung und Wissenschaft für die Professionalisierung im Stiftungssektor sind, zeigen die häufig ausgebuchten Weiterbildungsveranstaltungen und Tagungen der beiden Institute. Neben Basel und Zürich entstehen zurzeit weitere Philanthropie-Zentren an der Universität St. Gallen, der Universität Genf und dem IMD in Lausanne.

Auskunft

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Schweizer Stiftungsreport

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich vom Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, und dem Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich herausgegeben. Er enthält aktuelle Zahlen, Fakten und Trends aus dem In- und Ausland und soll zu einer besseren Wissensgrundlage im Stiftungswesen beitragen.

Basel, 28. März 2018

Nonprofit-Organisationen (NPO) suchen nach neuen Finanzierungsquellen. Weil Staatsbeiträge und private Spenden stagnieren, erwirtschaften NPO zunehmend eigene Erträge. Eine Studie des Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel hat erstmals in der Schweiz den Einfluss des Marktumfeldes und die Zukunftserwartungen von NPO erhoben.

Als die grössten Herausforderungen für Schweizer NPO zeichnen sich in der Studie die Mittelbeschaffung, die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Organisation sowie die Reduktion von öffentlichen Geldern ab. Darüber hinaus ist die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitenden besonders für grosse Organisationen ein zunehmendes Problem. 79% der Befragten blicken trotz aller Herausforderungen optimistisch in die Zukunft.

Die Publikation «Konjunkturbarometer: Eine Trendanalyse des Schweizer NPO-Sektors» verdeutlicht, wie NPO auf konjunkturelle Entwicklungen im Umfeld reagieren und präsentiert Faktoren, die in einem potentiellen NPO-Konjunkturbarometer berücksichtigt werden sollten. An der Studie nahmen Verantwortliche von 77 NPO teil.

Die Publikation leistet so einerseits einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zum besseren Verständnis der aktuellen Herausforderungen von NPO. Darüber hinaus eröffnet sie Praktikern wertvolle Einsichten, namentlich konkrete Handlungsvorschläge für den Umgang mit den aktuell auftretenden Herausforderungen. Dies soll NPO-Führungskräfte dabei unterstützen, die heutigen und zukünftigen technologischen und sozioökonomischen Entwicklungen besser zu verstehen und auf diese Weise zielgerichtete Strategien zu verfolgen.

Informationen zur Publikation
Hengevoss, Alice/ Berger, Oliver (2018): Konjunkturbarometer - Eine Trendanalyse des Schweizer NPO-Sektors, CEPS Forschung & Praxis Band 18, Basel: CEPS, ISBN: 978-3-9524819-0-5, 25 CHF, kostenlos online erhältlich.

Weitere Auskünfte

Alice Hengevoss, Center for Philanthropy Studies, Universität Basel, Steinengraben 22, 4051 Basel, +41 61 207 28 56, alice.hengevoss-at-unibas.ch

Basel/Zürich, 4. Dezember 2017

Laufend sind 4700 Freiwillige für Hilfswerke im Einsatz

Schweizer Nonprofit-Organisationen (NPO) profitieren von Freiwilligenarbeit im Umfang von 4700 Vollzeitstellen. Dies zeigt das «Jahrbuch der Hilfswerke», das vom Center for Philanthropy Studies der Universität Basel und der Beratungsfirma PPCmetrics veröffentlicht wurde.

Hilfswerke halten ihren Betrieb nicht nur durch Spenden und staatliche Beiträge aufrecht, sondern auch in bedeutendem Masse durch Freiwilligenarbeit. Dabei werden rund 39'000 Stunden Freiwilligenarbeit pro Organisation und Jahr geleistet. Über alle Organisationen hinweg betrachtet, die dies ausweisen, entspricht dies rund 4700 Vollzeitstellen.

Dies weist das aktuelle Jahrbuch der Hilfswerke aus, das vom Center for Philanthropy Studies der Universität Basel und der Beratungsfirma PPCmetrics veröffentlicht wurde. Es enthält alle wichtigen Kennzahlen von gemeinnützigen, spendensammelnden NPO und basiert auf den öffentlich verfügba-ren Jahresrechnungen der 506 Zewo-zertifizierten Organisationen.

Konservative Vermögensanlage
Laut dem Jahrbuch setzt sich das Vermögen von NPO im Durchschnitt zu 56% aus Bankkontoguthaben, zu 18% aus Wertschriften und zu 9% aus (häufig selber genutzten) Immobilien zusammen. Das Vermögen dient einerseits betrieblichen Zwecken und andererseits als Reserve, um Fixkosten trotz Einnahmenschwankungen begleichen oder unerwartete Ausgaben decken zu können. Im Vergleich zu Pensionskassen investieren NPO äusserst vorsichtig – dies nicht zuletzt auch aus Reputationsgrün-den.
Über die vergangenen 15 Jahre konnte die durchschnittliche NPO eine geschätzte Rendite vor Kosten von +40,8% erwirtschaften, was +2,31% pro Jahr entspricht. Pensionskassen konnten im selben Zeitraum zwar eine fast doppelt so hohe Rendite von +4,26% pro Jahr erzielen, gingen dabei aber auch ein deutlich grösseres Risiko ein.

Unterschiedlich hohe Transparenz
Spendensammelnde Hilfswerke sind im Vergleich mit anderen NPO (Verbände und Förderstiftungen) relativ transparent. Bei 70% aller Organisationen ist die aktuellste und vollständige Jahresrechnung auf ihrer Website einsehbar. Verbesserungspotenzial besteht unter anderem bei der Offenlegung der Ver-mögensstruktur (z.B. Anteil Aktien und Obligationen), des Anlagestils (z.B. nachhaltige Vermögensanlage), der Anlagerenditen sowie des Administrationsaufwandes. Zudem legen 14% aller Organisationen ihre Jahresrechnung oder Teile davon nicht offen.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Universität Basel, Center for Philanthropy Studies, Tel. +41 79 331 27 83, E-Mail: georg.vonschnurbein@unibas.ch

Dr. Luzius Neubert, CFA, Senior Investment Consultant, PPCmetrics AG,
Tel. +41 44 204 31 11, E-Mail: luzius.neubert@ppcmetrics.ch

Über das Center for Philanthropy Studies
Das Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel ist ein interdisziplinäres Forschungs- und Weiterbildungsinstitut für Philanthropie und das Schweizer Stiftungswesen. Das CEPS wurde 2008 auf Initiative von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, gegründet und ist ein universitärer Think Tank zum vielfältigen Themenbereich Philanthropie.

Über PPCmetrics AG
Die PPCmetrics AG ist das führende Schweizer Beratungsunternehmen für institutionelle und private Anleger. Sie berät ihre Kunden bei der Anlage ihres Vermögens in Bezug auf die Anlagestrategie (Asset Liability Management) und deren Umsetzung durch die Anlageorganisation, die Portfoliostrukturierung (Asset Allocation) und die Auswahl von Vermögensverwaltern (Asset Manager Selection).

Zürich/Genf, 15. Mai 2017

Der Schweizer Stiftungssektor ist weiterhin dynamisch

Ende 2016 zählte der Schweizer Stiftungssektor 13'172 gemeinnützige Stiftungen. Mit 349 neuen Stiftungen führt der Sektor sein Wachstum fort und gehört weiterhin zur europäischen Spitze. Der Stiftungssektor wird von zehntausenden ehrenamtlich engagierten Menschen getragen. Das zeigt, wie sehr Stiftungen in der Schweiz in die Gesellschaft eingebettet sind. Die Aufschlüsselung ihrer Aktivitäten zeigt ausserdem, dass sie sich an bestehenden Problemlagen in der Gesellschaft orientieren. Im Fokus dieser Ausgabe steht insbesondere der Stiftungsplatz Romandie und dessen zunehmende Dynamik. Ebenfalls in Bewegung waren Politik und Recht, deren Entwicklungen in einem Gesamtüberblick analysiert werden.

Die 349 im Jahr 2016 neu eingetragenen Stiftungen entsprechen dem Wachstum des Sektors der vergangenen Jahre. Die Zahl von 168 Liquidationen ist immer noch hoch. Die Welle an Liquidationen infolge ausbleibender Zinserträge scheint aber abzuebben. Die Kantone Zürich (2'262) und Waadt (1'413) wiesen die höchsten Stiftungszahlen aus, während die Kantone Uri (46) und Appenzell‐Innerrhoden (32) als Schlusslichter rangieren. Mit 48 neuen Stiftungen wird das Feld vom Kanton Genf angeführt, der seine Führung auch beim Netto‐Wachstum mit 40 Stiftungen behauptet. Während die Zahl von Neugründungen im Kanton Zürich um ein Drittel zurückgegangen ist, verzeichnete Basel‐Stadt zweimal mehr Neugründungen im Vergleich zum Jahr 2015 und bleibt Spitzenreiter bei der Stiftungsdichte: mit 46 Stiftungen pro 10'000 Einwohner. Die geringsten Stiftungsdichten weisen die Kantone Thurgau und Aargau auf mit 9.1 respektive 7.3 Stiftungen pro 10'000 Einwohner. Mit einer Durchschnittsdichte von 15.8 Stiftungen gehört der Stiftungsplatz Schweiz weiterhin zur europäischen Spitze, gleich hinter Liechtenstein und Ungarn.

Freiwilliges Engagement treibt die Stiftungsbranche an
Der Stiftungssektor wird in weiten Teilen von freiwilligem Engagement getragen. In den Stiftungsräten engagieren sich insgesamt 62'201 Personen, davon haben 3'868 zwei Stiftungsratsmandate und 1'352 mehr als zwei. Lediglich 12.7% der Stiftungen verfügen über eine separat angestellte Geschäftsführung. Beim Gros der Stiftungen (11'491 Stiftungen) wird dagegen angenommen, dass sie ehrenamtlich geführt sind. Das macht deutlich, dass der Engpass für Stiftungen in Zukunft wohl weniger bei den finanziellen Erträgen liegen wird als vielmehr in der Suche nach geeigneten Personen für den Stiftungsrat. Für Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von SwissFoundations, verweisen diese Zahlen auf den Ursprung von Stiftungen: «Stiftungen entstehen und kommen aus der Mitte der Gesellschaft. Die weit verbreitete Milizorganisation unterstreicht dies umso mehr. Das zeigt, dass Stiftungen verantwortungsbewusste zivilgesellschaftliche Player sind, die sich für das Allgemeinwohl engagieren.» Der Report zeigt ausserdem auf, dass sich die primären Handlungsfelder von Stiftungen mit jenen der öffentlichen Hand überschneiden. Es sind dies die drei grossen Bereiche Kultur & Freizeit, Sozialwesen und Bildung & Forschung. Obwohl Stifterinnen und Stifter in der Wahl ihres Stiftungszwecks frei sind, richten sie sich massgeblich an bestehenden gesellschaftlichen Problemen aus.

Der Stiftungsplatz Romandie blüht auf
Der Schweizer Stiftungsreport 2017 enthält einen Regionenfokus, der sich eingehend mit dem Stiftungsplatz Romandie auseinandersetzt. Die 13.4 Mrd. Franken Stiftungsvermögen der Stiftungen unter kantonaler Aufsicht in den Kantonen Freiburg, Genf, Neuenburg, Jura und Waadt zeigen das grosse Potenzial der Stiftungen in dieser Region auf. Mit 18.9 Stiftungen auf 10’000 Einwohner liegt die Romandie über dem schweizerischen Durchschnitt. Bis vor wenigen Jahren hatte die Region aber eher einen stiftungsunfreundlichen Ruf. Prof. Dr. Georg Schnurbein spricht von einer Dynamisierung des Stiftungssektors in der Romandie: «Der Aufbruch des Sektors lässt sich mit dem Stichwort Kooperation erklären. Einerseits haben sich die Beziehungen zwischen den Stiftungen und den Behörden merklich verbessert. Andererseits wurden auch die Netzwerke zwischen den Stiftungen in den letzten Jahren stark vorangetrieben.» Genf birgt die höchste Dynamik und profitiert dabei von seiner internationalen Bedeutung. Auch weist der Kanton Genf eine in den letzten Jahren vorangetriebene Stärkung der Zusammenarbeit von Staat und Stiftungen auf. Anhand eines Flüchtlingsprojekts zeigen sich zusätzlich die Möglichkeiten von Kooperationen innerhalb des Sektors und damit auch das Brückenbauerpotential von Stiftungen in der Gesellschaft.

Stiftungsrechtlich bleiben Fragen offen
Auch in der diesjährigen Ausgabe bietet der Report eine Gesamtschau über politische und rechtliche Entwicklungen, die für den Sektor relevant sind. Dazu gehören die Modernisierung des handelsregisterrechtlichen Teils des Obligationenrechts, die Revision des Mehrwertsteuergesetzes und diverse Gerichtsentscheidungen. Besondere Beachtung finden die Behandlung der parlamentarischen Initiative Luginbühl und die Diskussion um die Auslagerung der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht (ESA). Prof. Dr. Dominique Jakob sieht hier einige offene Punkte: «Das Jahr 2016 war stiftungsrechtlich ereignisreich und vielseitig. Sowohl bei der Auslagerung der ESA als auch bei der Initiative Luginbühl stehen die endgültige Antworten in der Politik noch aus. Das lässt ein spannendes Jahr 2017 erwarten.»

Auskunft

Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, eckhardt-at-swissfoundations.ch
Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch
Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, +41 44 634 15 76, dominique.jakob-at-rwi.uzh.ch

Basel und Brig/Regensdorf, 24. August 2016

Behinderteneinrichtungen und Sonderschulen finanzieren sich weitgehend über kantonale Beiträge. Dabei wird die bisherige Defizitdeckung sukzessiv durch Leistungspauschalen abgelöst. Dieser Systemwechsel erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe. Dafür dürfen diese nicht verbrauchte Pauschalen vermehrt in einem sogenannten «Schwankungsfonds» zurückbehalten. Eine nationale Untersuchung beleuchtet dieses neue Finanzierungsinstrument erstmals umfassend.

Soziale Einrichtungen als bedeutender Wirtschaftszweig
Behinderteneinrichtungen sind ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftszweig: So vertreten die beiden Branchenverbände CURAVIVA und INSOS über 1‘500 Einrichtungen, in denen gesamthaft etwa 90‘000 Personen leben und arbeiten. Alleine der Kanton Zürich verwendet dafür rund 4 % seines Gesamtbudgets. In diesen Zahlen nicht berücksichtigt sind Einrichtungen für Suchtkranke und sozial auffällige Jugendliche sowie Sonderschulen.

Systemwechsel: Schwankungsfonds als Konsequenz der Pauschalfinanzierung
Die Kantone haben im Rahmen der Finanzierung von sozialen Einrichtungen einen einschneidenden Systemwechsel vollzogen: die Umstellung von der betrieblichen Defizitgarantie zur Pauschalfinanzierung. Als Folge davon liegt es nun weitgehend in der Verantwortung der Betriebe, mit dem erhaltenen Geld ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. In der Regel kommt es mit der pauschalen Leistungsabgeltung zu einer Differenz zwischen den erhaltenen Pauschalbeiträgen und den tatsächlich angefallenen Kosten für die Leistungserbringung. Haben die Einrichtungen im Vergleich zur vereinbarten Leistungsabgeltung wirtschaftlicher gearbeitet, entsteht ein Überschuss. In diesem Fall haben die Betriebe den Gewinn in ihrer Bilanz dem sog. «Schwankungsfonds» zuzuweisen. Reichen demgegenüber in einem bestimmten Jahr die kantonalen Beiträge für die Leistungserbringung nicht aus, sind die entstandenen Verluste dem Schwankungsfonds zu belasten. Vereinfacht gesagt: In guten Zeiten sparen die Einrichtungen im Schwankungsfonds sozusagen Gelder an, aus dem sie in schlechten Zeiten die entstandenen Fehlbeträge eines Jahres ausgleichen können.

Offene Fragen werden geklärt
Die vorliegende Studie beschäftigt sich eingehend mit dem geänderten Finanzierungsmodell öffentlich subventionierter Einrichtungen, insbesondere von Einrichtungen für behinderte Erwachsene. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern betriebliche Überschüsse aus der Leistungserbringung, die letztlich öffentliche Mittel darstellen, von den Institutionen einbehalten werden können und – falls ja – wie diese buchhalterisch zu behandeln sind. Dazu haben die Autoren die für die Behinderteneinrichtungen zuständigen kantonalen Verbindungsstellen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sowie ausgewählte IV-Verbindungsstellen, betroffene Institutionen und Revisionsstellen befragt (Rücklaufquote = 100 %).

Pauschalfinanzierung und Schwankungsfonds unaufhaltbar – trotz wesentlicher Fehlanreize
Mit Ausnahme der Westschweizer Kantone, welche vorerst an der betrieblichen Defizitdeckung festhalten, setzt sich das Pauschalsystem immer mehr durch. Allerdings zeigt die Befragung, dass hierzulande noch keine einheitliche Praxis zur Behandlung von leistungsbezogenen Fehlbeträgen existiert und es zu falschen Anreizen kommen kann: Wieso sparen, wenn ausschliesslich der Kanton über die angesparten Mittel befinden darf? Wesentlich hierbei sind die unklaren Verwendungsmöglichkeiten der Schwankungsfondsmittel. Diese stellen aus Sicht der Kantone nach wie vor öffentliche Gelder dar, sodass eine freie Verwendung der Gewinne (z.B. für Investitionen oder Qualitätsförderungsprojekte) nicht möglich ist. Zudem sind die Gewinne ab einer gewissen Grenze vollständig an den Leistungsfinanzierer zurückzuzahlen, während die Verluste von den Betrieben selbst zu tragen sind.

Aublick
Die befragten Kantone schreiben dem Schwankungsfonds für die Zukunft eine wichtige Rolle zu, nicht nur als Konsequenz der Pauschalfinanzierung, sondern auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Spardrucks der Kantone. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Pauschalfinanzierung gezielte Leistungskürzungen vereinfacht. Darüber hinaus nimmt der politische Druck, die Pauschalen sukzessive anzugleichen und kostengünstige Anbieter als Referenz zu betrachten, zu. Um die Betriebe zu effizienterem Handeln zu motivieren, verlangen die Institutionen jedoch zu Recht verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören nach der Meinung der Autoren auch einheitliche Grundlagen der Kostenrechnung. Alles in allem fördert der Schwankungsfonds bzw. das Pauschalsystem die von den Institutionen gewünschte Handlungsfreiheit sowie eine professionelle, unternehmerische Ausrichtung. Sowohl für die Kantone als auch die sozialen Institutionen ergeben sich verschiedene Vorteile, z.B. in Form von administrativen Erleichterungen, Flexibilität und gegenseitiger Planungssicherheit. Gleichwohl bestehen in der konkreten Umsetzung einige Unklarheiten. Die Kantone und die Politik sind gefordert, die Institutionen auch weiterhin in die laufende Modellentwicklung einzubeziehen und damit für eine Ausreifung des Konzepts zu sorgen.

Informationen zur Publikation
Zöbeli, D./Schmitz, D. (2016): Der Schwankungsfonds – Finanzierung sozialer Einrichtungen im Umbruch, CEPS Forschung und Praxis Bd. 16, Basel: CEPS, ISBN: 978-3-9524241-7-9, 30 CHF

Bezug kostenlos als Download oder als gedruckte Fassung zum Preis von CHF 30.- exkl. Versandkosten.

Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Daniel Zöbeli, Institut für Management & Innovation (IMI), Fernfachhochschule Schweiz, +41 44 842 15 54, daniel.zoebeli@ffhs.ch

Dr. oec. Daniela Schmitz, Institut für Management & Innovation (IMI), Fernfachhochschule Schweiz, 141 44 842 15 59, daniela.schmitz-at-ffhs.ch

Zürich, 4. Mai 2016

Dominanz kleiner Stiftungen im Schweizer Stiftungssektor

Wenn die Rede von gemeinnützigen Stiftungen ist, konnte man in den vergangenen Jahren viel über Zürich, Basel und die Romandie lesen sowie über grosse Stiftungsgründungen und Spenden. Wie eine detaillierte Untersuchung der Ostschweizer Stiftungslandschaft nun zeigt, ist das Schweizer Stiftungswesen weitaus vielfältiger und breiter und von kleinen Stiftungen dominiert. Eine erstmalige Analyse von Stiftungsvermögen, Leistungsausgaben und Verwaltungskosten bietet neue Erkenntnisse  und ergänzt die bisher bekannte Einteilung der Stiftungen nach Zweckausrichtungen.

Das Vermögen ist die Daseinsberechtigung einer Stiftung, ohne dieses Kapital gäbe es sie nicht. In der Vergangenheit waren die Hochphasen der Philanthropie immer mit einer starken wirtschaftlichen Konjunktur verbunden. Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise setzte für Stiftungen eine neue Zeitrechnung ein. Die geringen Ertragsmöglichkeiten bei tiefem Risiko verursachen insbesondere kleineren und mittleren Stiftungen zunehmend Kopfzerbrechen. In einer detaillierten Untersuchung von 1‘205 Stiftungen aus vier Kantonen zeigt sich, dass das Vermögen auf einige wenige grosse und viele kleine Stiftungen entfällt. «50% der untersuchten Stiftungen halten gerade einmal 0,3 % des Gesamtvermögens, während das letzte Prozent immer noch 19,4% der Vermögenswerte vereinigt» erläutert Georg von Schnurbein, Professor an der Universität Basel und Leiter des Center for Philanthropy Studies. «In der Untersuchung ebenfalls bestätigt hat sich der Grundsatz, dass 80% aller Stiftungen ein Vermögen von unter CHF 3 Mio. besitzen.» Dasselbe Bild zeigt sich bei den Mitteln, welche die Stiftungen für ihre Zweckerfüllung einsetzen können. Im Durchschnitt stehen der Hälfte aller untersuchten Stiftungen pro Jahr für ihre Förderung oder Leistungserbringung weniger als CHF 30'000 zur Verfügung.

Kleine Stiftungen am ineffizientesten

Sowohl von der Öffentlichkeit als auch von vielen Stiftungsvertretern selbst wird erwartet, dass gemeinnützige Stiftungen möglichst günstig arbeiten und interne Kosten für Personal, Infrastruktur oder Kommunikation auf ein Minimum reduzieren. Kostengünstige, weil ehrenamtlich geführte Stiftungen gelten gemeinhin als besonders gut und Stiftungen mit bezahlten Mitarbeitenden als teuer. Ein erster Blick scheint diese Annahme zu bestätigen: Geben kleine Stiftungen mit einem Vermögen von unter einer Viertelmillion Schweizer Franken etwas mehr als CHF 2‘500 an Verwaltungskosten aus, erhöht sich dieser Betrag bei Stiftungen mit einem Vermögen von über CHF 15 Mio. auf durchschnittlich CHF 134‘152. Ganz anders stellt sich die Situation dar, wenn man die Verwaltungskosten ins Verhältnis zum Stiftungsvermögen stellt. Dann sind die kleinsten Stiftungen plötzlich am ineffizientesten, da sie durchschnittlich 2,6% des Vermögens für Verwaltungskosten ausgeben. Bei den grössten Stiftungen beträgt das Verhältnis gerade einmal 0,3%. Einer der wichtigsten Kostentreiber sind die Vermögensverwaltungskosten. Viele Stiftungen sind zu klein, um von den günstigen Tarifen institutioneller Anleger zu profitieren. Eine der Lösungen, um zu einer kritischen Masse zu gelangen, können Fusionen sein, zu denen im Stiftungsreport fünf Gründe dafür und fünf Gründe dagegen aufgeführt werden. Ebenso kann es eine Überlegung sein, das Stiftungskapital aufzubrauchen, sofern die Stiftungsurkunde dies zulässt und entsprechende Kosten eingespart werden können.

Inaktive Stiftungen

Die Frage nach inaktiven Stiftungen wird häufig gestellt und hat es gar einmal bis in eine parlamentarische Motion geschafft. In dieser wurden Schätzungen von schweizweit 2‘000 bis 3‘000 inaktiven Stiftungen genannt. Die Analyse aus vier Kantonen legt nun die Vermutung nahe, dass diese Zahl weitaus tiefer liegt und sich Stiftungen auch bei niedrigerer Ertragslage ihrer Verantwortung bewusst sind und ihre Förderung aufrechterhalten. 2012 tätigten von den 1‘205 untersuchten Stiftungen 67 keine Ausgaben, 2013 lag dieser Wert bei 58 Stiftungen. Damit würde sich die Zahl inaktiver Stiftungen bei einer Gesamtzahl von 13‘075 gemeinnütziger Stiftungen auf die Schweiz hochgerechnet im mittleren dreistelligen Bereich bewegen.

Der Ostschweizer Stiftungssektor

Ein besonders lebendiges Stiftungsleben verzeichnet die Ostschweiz. Als kirchliches Zentrum, mit einer frühen Industrialisierung und internationaler Vernetzung bietet sie einige wichtige Voraussetzungen für ein bedeutsames Stiftungswesen. Auffallend ist, dass das Stiftungswesen in der Ostschweiz seit 1990 explosionsartig gewachsen ist und sich die gemeinnützigen Stiftungen seit Anbeginn nie nur auf die Hauptorte beschränkt haben. Die grosse regionale Verwurzelung in diesen Kantonen zeigt auch der schweizweit hohe Anteil an Stiftungen, die unter kantonaler Aufsicht stehen und somit kommunal oder regional fördern. Die höchste Anzahl von Stiftungen weist der Kanton St. Gallen auf, gefolgt von Graubünden, Thurgau, Glarus, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. 44,9% der 1‘472 gezählten gemeinnützigen Stiftungen sind fördernd tätig, während 35,2% als operative Stiftungen eingestuft werden. Der Rest lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Der mit Abstand wichtigste Tätigkeitsbereich der Ostschweizer Stiftungen ist Kultur und Freizeit, in dem 37,8% aller Stiftungen tätig sind, gefolgt von den Sozialdiensten mit fast 27% und Bildung und Forschung mit 21,2%.
Im Vergleich wird deutlich, dass sich jeder Kanton durch ein spezifisches und einzigartiges Stiftungswesen auszeichnet. Appenzell Innerrhoden hat ein sehr junges Stiftungswesen mit vielen auf einen Zweck fokussierten Stiftungen und im Verhältnis hohen jährlichen Ausgaben. Schwerpunkte bilden die Kultur und die Sozialdienste. Appenzell Ausserrhoden dagegen verfügt über einen inhaltlich sehr breit aufgestellten Stiftungssektor. Glarus ist der einzige Bergkanton der Ostschweiz, wo Umwelt ein wichtiger Stiftungszweck ist. Die Stiftungsdichte ist sehr hoch, jedoch haben die vielen Stiftungen ein nur geringes Durchschnittsvermögen, wodurch sich die verhältnismässig hohe Anzahl an Liquidationen erklären lässt. In Graubünden gibt es viele Stiftungen von internationalen Stiftern und nach St. Gallen die zweithöchste Stiftungszahl in der Ostschweiz. Die Stiftungen verfügen über das grösste Vermögen und ein hohes Durchschnittsalter. St. Gallen hat zwar die meisten Stiftungen, jedoch eine geringe Stiftungsdichte. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen in Bildung, Forschung, Umwelt und Sozialwesen.
In den sechs untersuchten Kantonen steht ein gesamtes Stiftungsvermögen von CHF 4,7 Mrd. zur Verfügung, das sich von 2010 bis 2013 um 21,5% erhöht hat. Die Ausgaben belaufen sich auf durchschnittlich 3%. «Die Analyse der Ostschweizer Stiftungslandschaft zeigt deutlich» erläutert Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, «dass Stiftungen bei weitem nicht nur in Ballungszentren von Bedeutung sind, sondern mit grosser Vielfalt auch im ländlichen Raum das Gemeinwesen fördern.»

Zwischen Stifterfreiheit und Informationsbedürfnis

Weitere Beiträge im Schweizer Stiftungssektor loten die Grenzen des Schweizer Stiftungswesens aus. Der erste Social Impact Bond in Bern könnte am Anfang einer neuen Form von Private Public Partnerships stehen, bei denen private und öffentliche Investoren entsprechend ihrer Risikofähigkeit gemeinsam gemeinnützige Initiativen fördern. Auch aus rechtlicher Sicht werden Grenzen neu gesetzt. Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht soll in eine eigene öffentlich-rechtliche Anstalt ausgelagert und aufgestockt werden und die parlamentarische Initiative Luginbühl schlägt Anpassungen im Schweizer Stiftungsrecht sowie die Schaffung eines Registers für gemeinnützige Organisationen vor. In eine andere Richtung zielt der internationale Druck, gemeinnützige Organisationen stärker zu kontrollieren, wie Dominique Jakob, Professor an der Universität Zürich und Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht festhält: «In den nächsten Jahren wird es entscheidend sein, die richtige Balance zwischen Stifterfreiheit und staatlichem Informationsbedürfnis zu finden. Nur so können wir die hohe Attraktivität, welche der Schweizer Stiftungsstandort noch immer ausstrahlt, aufrecht erhalten.»

Auskunft

Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, eckhardt-at-swissfoundations.ch
Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, +41 44 634 15 76, dominique.jakob-at-rwi.uzh.ch
Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Ausgewählte Fakten aus der Region Ostschweiz auf einen Blick:

  • Ende 2015 waren in den sechs Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, St. Gallen und Thurgau 1‘472 gemeinnützige Stiftungen eingetragen.
  • 66,2% entfallen auf die Kantone St. Gallen und Graubünden.
  • Weit über die Hälfte aller Stiftungen in der Ostschweiz sind seit 1990 entstanden, mit einer deutlichen Verdichtung im Raum St. Gallen / Bodensee.
  • 83,5% der Stiftungen stehen unter kantonalen Aufsichten, d.h. sie sind kantonal oder regional tätig.
  • Die Stiftungen unter kantonaler Aufsicht (1‘252) verfügen über ein gesamtes Stiftungsvermögen von CHF 4,7 Mrd. Die gesamten Ausgaben belaufen sich auf durchschnittlich 3%.
  • Der wichtigste Tätigkeitsbereich der Ostschweizer Stiftungen ist Kultur und Freizeit (37,8%), Sozialdienste (26,9%) sowie Bildung und Forschung (21,2%)
  • 44,9% der Ostschweizer Stiftungen sind Förderstiftungen, 35,2% arbeiten als operative Stiftungen, 19,8% lassen sich nicht eindeutig zuordnen.

Download Schweizer Stiftungsreport 2016

Zürich, 18. April 2016

Aktuelle Zahlen und Entwicklungen im Schweizer Stiftungssektor: Schweizer Stiftungssektor wächst weiter

Ausgewählte Fakten auf einen Blick:

  • Gesamtzahl gemeinnütziger Stiftungen in der Schweiz per Ende 2015: 13’075
  • Zahl Neugründungen 2015: 335 gemeinnützige Stiftungen
  • Liquidationen: 149 (2015) versus 226 (2014)
  • Anteil der gemeinnützigen Stiftungen, die seit 2000 gegründet wurden: 41,6%
  • Kanton mit den meisten Stiftungen: Zürich (2‘261)
  • Kanton mit höchstem Brutto-Zuwachs an Stiftungen: Zürich (61)
  • Kanton mit höchstem Netto-Zuwachs an Stiftungen: Genf (38)
  • Kanton mit der höchsten Stiftungsdichte: Basel-Stadt (45,7 Stiftungen auf 10'000 Einwohner)
  • Anteil der Stiftungen unter eidgenössischer Aufsicht: 31,7%

Zürich, 18. April 2016. Ende 2015 zählte der Schweizer Stiftungssektor 13‘075 gemeinnützige Stiftungen. Mit 335 Neugründungen legte das Schweizer Stiftungswesen zahlenmässig nochmals zu und gehört imeuropäischen Vergleich nach wie vor zu den absoluten Spitzenreitern. Stiften strahlt eine hohe Anziehungskraft aus, ermöglichen Stiftungen doch eine attraktive Kombination von Gestaltungsfreiheit und Zweckbindung. Im Vergleich zum Vorjahr steigt das Netto-Wachstum des Schweizer Stiftungssektors von 137 auf 175 wiede deutlich an. Die Angaben stammen aus dem Schweizer Stiftungsreport 2016, der am 4. Mai 2016 in Appenzell vorgestellt wird.

Den 335 Gründungen stehen im vergangenen Jahr 149 Liquidationen und 11 Fusionen gegenüber. Damit setzt sich die Konsolidierungsphase im Schweizer Stiftungswesen fort. Seit 2009 wurden bereits über 1‘000 gemeinnützige Stiftungen liquidiert. Dies hat einerseits mit der immer noch prekären Ertragslage von gering dotierten Stiftungen und gestiegenem Aufwand zu tun, anderseits wird die Rechtsform Stiftung heute viel flexibler eingesetzt, gerade auch im Hinblick auf wirtschaftliche oder internationale Initiativen. Social Enterprises, Bürgerinitiativen oder Kunst-Festivals werden vielfach als Stiftungen errichtet. Diese Gründungen sind häufig von vornherein auf Zeit angelegt oder mit hohem Risiko verbunden. So erstaunt es nicht, dass viele der aufgelösten Stiftungen eine nur geringe Lebensdauer aufweisen.

Zürich hat die Nase vorne

Den höchsten Stiftungswachstum 2015 weist der Kanton Zürich auf. Mit 61 neugegründeten Stiftungen überholt er den Kanton Genf, der mit 50 Neugründungen den zweiten Platz belegt. Insgesamt verschiebt sich das Schwergewicht der Neugründungen zunehmend auf die Städte und regionalen Zentren. So weisen mit Glarus, Solothurn und Schaffhausen gleich drei weniger urbane Kantone ein negatives Nettowachstum auf. Ebenfalls auffällig ist mit 16 neuen Stiftungen das geringe Stiftungswachstum im Kanton Basel-Stadt, dem Kanton mit der weitaus höchsten Schweizer Stiftungsdichte. Kommt in Basel eine Stiftung auf 219 Einwohner, ist dieses Verhältnis im Kanton Aargau 1 : 1‘316. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 629 Einwohnern. Die hohe Zahl von Neugründungen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Schweizer Stiftungswachstum deutlich verlangsamt hat. Die Zahl der Neugründungen nimmt bei gemeinnützigen Stiftungen seit 2007 kontinuierlich ab. Positiver zeigt sich das Nettowachstum, welches die Liquidationen den Neugründungen gegenrechnet.

Die öffentliche Hand als Stifterin

Immer häufiger tritt auch der Staat als Stifter auf, sei es bei der Umwandlung von Zweckverbänden in Stiftungen, bei der Auslagerung von Aufgaben aus der Verwaltung oder bei Public Private Partnerships in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsakteuren. Dass die öffentliche Hand gerade jetzt die Rechtsform der Stiftung zunehmend entdeckt, überrascht Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel, nicht: «Gerade für den Staat ist die Zweckbindung der Stiftung ein Garant, dass sein Einfluss durch eine Auslagerung nicht vollkommen schwindet. Gleichzeitig sind mit Auslagerungen meistens auch Kosteneinsparungen verbunden.»

National und international tätige Stiftungen in wenigen Kantonen konzentriert

Ein interessantes Resultat zeitigt die Verteilung der Stiftungen auf die Aufsichtsbehörden. Die sieben Kantone Zug, Genf, Zürich, Nidwalden, Schwyz, Bern und Fribourg stellen das Gros der national oder international tätigen Stiftungen, während im Kanton Appenzell Innerhoden fast alle Stiftungen unter kantonaler Aufsicht stehen und somit primär regional tätig sind. Neben der eidgenössischen und den kantonalen Aufsichtsbehörden gibt es in der Schweiz eine Vielzahl von lokalen Aufsichtsbehörden, die häufig nur 1 bis 2 Stiftungen beaufsichtigen. Diese Aufsichtsform ist in Luzern, wo 39% aller gemeinnützigen Stiftungen lokal beaufsichtigt werden, im Wallis (35,8%) und in Schaffhausen (31.3%) besonders häufig anzutreffen. Der Gesetzesentwurf zur Neuorganisation der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht vom März 2016 ist eine von vielen rechtlichen Entwicklungen, die der Stiftungsreport 2016 aufgreift.

Schweizer Stiftungsreport 2016 mit Regionenfokus Ostschweiz

Der Schweizer Stiftungsreport erscheint jährlich und ist die wichtigste Informationsquelle zu Zustand und Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors. Er zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends. Der Stiftungsreport umfasst 2016 erstmals einen Regionenfokus, der sich im Detail mit der Ostschweizer Stiftungslandschaft beschäftigt. Neben demographischen Entwicklungen enthält der Report detaillierte Finanzkennzahlen zum Stiftungswesen in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Glarus und den beiden Appenzell. Die Daten wurden freundlicherweise von den jeweiligen Aufsichtsbehörden zur Verfügung gestellt.

Der Schweizer Stiftungsreport 2016 wird am 4. Mai 2016 in Appenzell vorgestellt und erscheint in deutscher, französischer und englischer Sprache. Er wird vom Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, und dem Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich herausgegeben. Er steht ab dem 5. Mai 2016 unter www.stiftungsreport.ch kostenlos zum Download zur Verfügung.

Auskunft

Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, eckhardt-at-swissfoundations.ch
Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, +41 44 634 15 76, dominique.jakob-at-rwi.uzh.ch
Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Download Schweizer Stiftungsreport 2016

Basel, 18. Juni 2015

Vor rund fünf Jahren wurde in Grossbritannien der weltweit erste Social Impact Bond (SIB) und damit ein neuartiges, innovatives Finanzierungsinstrument lanciert. Eine aktuelle Studie des Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel bietet einen Überblick zu Entwicklung, Umsetzung und Herausforderungen von SIBs.

Die Finanzierung der wohlfahrtsstaatlichen Leistungen hat sich zu einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung entwickelt. Zur Lösung tragen effizientere Angebote und mehr Finanzmittel gleichermassen bei. Die Idee des Social Impact Bonds (SIB) verbindet durch einen erfolgsorientierten Ausschüttungsmodus beide Zielsetzungen miteinander.

Ein Social Impact Bond setzt die Gelder von privaten Investoren für innovative Sozialprojekte ein. Werden die definierten Ziele erreicht, zahlt der Staat als Auftraggeber den Investoren ihr Kapital mit einer gewissen Rendite zurück.

Sowohl in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden derzeit erste Projekte über SIBs finanziert. Die vorliegende Publikation beschreibt die Funktionsweise und bietet einen Überblick der globalen Entwicklung von SIBs. Zudem werden Herausforderungen und Entwicklungspotenziale diskutiert.

Die Publikation eignet sich daher sehr gut als Einstiegsliteratur zum Thema und bietet auch einen Überblick zur aktuellen wissenschaftlichen Literatur.

Definition SIB:
Ein Social Impact Bond (SIB) stellt einen mehrjährigen Vertrag dar, mittels welchem soziale Massnahmen von privaten Investoren vorfinanziert werden. Nur bei erfolgreicher Umsetzung der Massnahme erhält der Investor vom Auftraggeber (Staat) den Projektbetrag zuzüglich einer vereinbarten Rendite zurückbezahlt. Förderstiftungen stehen vor besonderen Management-Herausforderungen: Statt Geld einzuwerben, müssen sie Geld zielorientiert und planmässig ausgeben. Dies ist oft leichter gesagt als getan!

Informationen zur Publikation
von Schnurbein, Georg/ Fritz, Tizian/ Mani, Steve (2015): Social Impact Bonds, CEPS Forschung & Praxis Band 13, Basel: CEPS, ISBN: 978-3-7190-3631-7, 25 CHF

Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Center for Philanthropy Studies, Universität Basel, Totengässlein 3, 4051 Basel, +41 / 61 /267 23 92, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Zürich, 21. April 2015

Stiften bleibt populär: 363 neue Stiftungen im 2014

  • Zahl der Neugründungen 2014 bewegt sich im Schnitt der letzten Jahre.
  • Gesamtzahl der gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz erhöht sich auf 13'064.
  • Gleichzeitig sind die Liquidationen im Vergleich zum Vorjahr um 30% auf 226 gestiegen.
  • Fragmentierte Aufsichtslandschaft: Zusätzlich zu den 19 kantonalen Aufsichtsbehörden und der eidgenössischen Stiftungsaufsicht existieren fast 400 lokale Aufsichtsinstanzen, die im Schnitt ein bis zwei Stiftungen kontrollieren.
  • Im Ständerat wurde Ende 2014 ein neuer Vorstoss mit Vorschlägen zur Stärkung des Schweizer Stiftungssektors eingereicht. Die vorberatende Kommission wird 2015 darüber befinden.

Zürich, 21. April 2015. Das Stiftungswachstum in der Schweiz hält ungebrochen an: Bei 363 neu gegründeten Stiftungen zählt der heute publizierte Schweizer Stiftungsreport per Ende 2014 13'064 gemeinnützige Stiftungen. Damit gehört die Schweiz weiterhin zu den stiftungsreichsten Ländern Europas. Das Wachstum 2014 liegt bei 2,8%, die Stiftungsdichte bei 16 Stiftungen auf 10'000 Einwohner. Der Anzahl Neugründungen, die sich im Bereich der Vorjahre bewegt, steht eine um 30% gestiegene Zahl von Liquidationen gegenüber. Mit 226 aufgelösten oder fusionierten Stiftungen wurde ein neuer Höchststand an Liquidationen erreicht. Damit scheint sich der begonnene Konsolidierungsprozess im Schweizer Stiftungssektor weiter fortzusetzen. „Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass rund 80% aller gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz weniger als 5 Millionen Franken Kapital aufweisen. Bei den anhaltenden Niedrigzinsen, welche die von Stiftungen bevorzugten risikoarmen Anlageformen erwirtschaften, kann das Überleben einer Stiftung rasch einmal gefährdet sein“, so Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter des Center for Philanthropy Studies CEPS an der Universität Basel. „Hinzu kommen gestiegene Kosten in den Bereichen Vermögensverwaltung, Revision und Stiftungsaufsicht.“ Ein negatives Wachstum verzeichnen die Kantone Uri, Schaffhausen, Zug, Glarus, Neuenburg und Thurgau, wobei Uri mit einem Negativwachstum von -29.2% auffällt. Das dynamischste Wachstum zeigt 2014 der Kanton Tessin mit 37 neu gegründeten Stiftungen.

Themen und Trends

Parallel zur Konsolidierung kann im Sektor eine voranschreitende Professionalisierung beobachtet werden. Die Orientierung des Stiftungstuns auf Wirkung und die damit einher gehende Wirkungsmessung werden für Stiftungen immer wichtiger, um ihre gesellschaftlichen Ziele zu erreichen. Dabei setzen Stiftungen zunehmend nicht nur die Erträge sondern auch Teile ihres Stiftungsvermögens ein. „Die chinesische Mauer zwischen Geld verdienen und Geld gemeinnützig einsetzen, beginnt zu bröckeln“, stellt Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von SwissFoundations, dem Verband der Förderstiftungen der Schweiz, fest. „Stiftungen verstehen sich immer mehr als Wirkungseinheit und bemühen sich, ihre Vermögen so anzulegen, dass es ihrem Stiftungszweck nicht schadet. Wie das im Stiftungsreport dargestellte Beispiel der Arcas Foundation zeigt, gehen Stiftungen aber auch einen Schritt weiter und prüfen Wege und Möglichkeiten, sich als Social Investor direkt an gemeinnützigen Organisationen zu beteiligen.“ Ein weiteres Zukunftsfeld ist die Digitalisierung. Im vergangenen Jahr sind gleich mehrere Datenbanken zum Stiftungswesen und zur Philanthropie entstanden, und neue Formen wie Crowdfunding ergänzen die klassischen Fördertöpfe von Staat und Stiftungen.

Ruf nach mehr Transparenz

„Stiftungsrechtlich gesehen ist das vergangene Jahr in ruhigeren Bahnen verlaufen“, hält Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, fest. „Allerdings könnte sich das als Ruhe vor dem Sturm erweisen“; denn Ende 2014 wurde von Ständerat Werner Luginbühl eine parlamentarische Initiative zur Stärkung des Schweizer Stiftungssektors eingereicht, welche acht Vorschläge für Anpassungen im Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsrecht vorsieht. Davon abgesehen standen Stiftungen vor allem im Rahmen der Diskussionen rund um die Missbrauchsbekämpfung im Bereich Geldwäscherei und Steuern im Fokus des Parlaments. „Juristische Personen und damit auch Stiftungen werden in Zukunft verstärkt der Forderung nach grösserer Transparenz ausgesetzt sein“, führt Dominique Jakob weiter aus. Für teilweise hitzige mediale Diskussion gesorgt hat auch der Fall rund um die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte von Bruno Stefanini. Gefordert ist hier insbesondere die Stiftungsaufsicht, deren Aufgaben sich zunehmend komplexer gestalten.

Fragmentierte Aufsichtslandschaft

Umso erstaunlicher ist der im Stiftungsreport erstmals aufgeführte Umstand, dass neben den 19 kantonalen Aufsichtsbehörden und der eidgenössischen Stiftungsaufsicht fast 400 kommunale Behörden eine Aufsichtsfunktion wahrnehmen. Knapp 70% davon kontrollieren gerade mal ein bis zwei Stiftungen. Während die Professionalität der kantonalen Aufsichten nicht zuletzt durch die Bildung von Konkordaten zugenommen hat, scheint auf lokaler Ebene ein eigentlicher Wildwuchs zu herrschen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Anforderungen an die Aufsichtsbehörden stellen die Autoren des Stiftungsreports die Frage, ob eine Übertragung dieser Aufgabe an die kantonalen Aufsichtsorgane nicht eher den heutigen Anforderungen an eine Good Governance entsprechen würde. Dies gilt auch für den Stadtrat von Zürich, der alleine 85 gemeinnützige Stiftungen beaufsichtigt, mehr als manche kantonale Aufsichtsbehörde.

Schweizer Stiftungsreport 2015

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich von Beate Eckhardt, lic. phil. I, EMScom (SwissFoundations, Verband der Schweizer Förderstiftungen), Prof. Dr. Dominique Jakob (Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich) und Prof. Dr. Georg von Schnurbein (Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel) herausgegeben. Er ist die wichtigste Informationsquelle zum Zustand und zur Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors und zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends. Das Spezialthema 2014 widmet sich verschiedenen Wirkungsfragen, der Blick nach Europa geht in diesem Jahr nach Österreich, wo sich gemeinnützige Stiftungen erstmals in einem Verband für gemeinnütziges Stiften zusammengeschlossen haben.

Ergänzt wird der Report durch zahlreiche Interviews und Gastbeiträge, einen Rückblick auf Veranstaltungen und Publikationen im 2014 und einem Ausblick auf wichtige Termine im laufenden Jahr. Der Report kann unter www.stiftungsreport.ch kostenlos in deutscher und französischer Sprache heruntergeladen werden.

Weitere Auskünfte

Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, eckhardt-at-swissfoundations.ch
Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, +41 44 634 15 76, dominique.jakob-at-rwi.uzh.ch
Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

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Basel, 9. März 2015

Die in vielen Teilen überarbeitete 2. Auflage des Managementbuchs „Die Förderstiftung“ ist beim Verlag Helbing Lichtenhahn erschienen.

Förderstiftungen stehen vor besonderen Management-Herausforderungen: Statt Geld einzuwerben, müssen sie Geld zielorientiert und planmässig ausgeben. Dies ist oft leichter gesagt als getan!

Mit der zweiten Auflage von „Die Förderstiftung“ steht nun eine aktualisierte Fassung dieses Management-Leitfadens für Förderstiftungen bereits. Im Zentrum der Überarbeitung standen die Kapitel zum Fördermanagement, zur Kommunikation und zum Finanzmanagement. Im Fördermanagement wurde der wachsenden Flexibilisierung der Förderformen Rechnung getragen und die Konzeption der Förderstrategien weiterentwickelt. Neu bearbeitet wurde auch der Teil zu Advocacy und Lobbying, einem Teilbereich der Kommunikation, der bei Stiftungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Schliesslich bietet das Kapitel zu Finanzen neue Erkenntnisse und Vorgehensweisen zur Vermögensanlage und berücksichtigt insbesondere auch das Mission Investing.

Das Buch ist als Leitfaden konzipiert, der durch viele Beispiele, Praxishilfen und Zusatzinformationen eine direkte Übertragung auf den Stiftungsalltag ermöglicht.

Informationen zum Buch:

von Schnurbein, Georg/ Timmer, Karsten (2015): Die Förderstiftung – Strategie – Führung – Management, 2. Aufl., Basel: Helbing Lichtenhahn, ISBN: 978-3-7190-3631-7, 58 CHF

Die Autoren:

Prof. Dr. Georg von Schnurbein ist Assistenzprofessor für Stiftungsmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und Leiter des Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel

Dr. Karsten Timmer ist geschäftsführender Gesellschafter der Panta Rhei Stiftungsberatung mit Sitz in Mannheim/Deutschland und Geschäftsführer der Arcanum Stiftung in Fribourg.

Weitere Auskünfte:

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Center for Philanthropy Studies, Universität Basel, Totengässlein 3, 4051 Basel, Tel. +41 / 61 /267 23 92, E-Mail: georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Rezensionsexemplare:

Verlag Helbing Lichtenhahn, Christian Hillig (christian.hillig@helbing.ch), Elisabethenstrasse 8, CH-4051 Basel

Zürich, 6. Mai 2014

Die Welt der Stiftungen im Wandel

Fast 13‘000 gemeinnützige Stiftungen bereichern in der Schweiz das kulturelle, soziale und wissenschaftliche Leben. Auch im letzten Jahr ist täglich mehr als eine gemeinnützige Stiftung gegründet worden. Dennoch hat sich die Welt der Stiftungen in den letzten fünf Jahren nachhaltig verändert. Kleine Stiftungen stellen sich Fragen nach ihrer Wirksamkeit, Fusionen scheinen kein Tabu mehr zu sein, Stiftungsräte diskutieren Haftungsthemen und der Umgang mit Mandaten und politischer Einflussnahme werden neu bewertet. Nachzulesen ist dies und mehr im frisch erschienenen Schweizer Stiftungsreport 2014, der aktuelle Zahlen und Fakten zum Schweizer Stiftungssektor sowie die wichtigsten rechtlichen und europäischen Entwicklungen enthält.

Ende 2013 waren 12’909 Stiftungen mit gemeinnützigem Zweck im Handelsregister eingetragen. Die Zahl der Neugründungen ist nach einem Einbruch 2011 wieder im Wachstum begriffen. Den 381 neu gegründeten Stiftungen stehen 159 Liquidationen, ein neuer Höchstwert, gegenüber. Deutlich gestiegen ist die Zahl der Fusionen. Mit diesen werden nicht nur Kosten eingespart, es findet auch eine sinnvolle und notwendige Bereinigung der Stiftungslandschaft statt. Gerade für kleine Stiftungen mit unter einer Million Franken Kapital eröffnen Fusionen attraktive neue Handlungsspielräume. Wie der Schweizer Stiftungsreport 2014 aufzeigt, stellt ein anderer Weg zur Wirkungssteigerung die Teilnahme am politischen Diskurs dar. Stiftungen als politische Akteure: Die im letzten Jahr lancierte Bodeninitiative der beiden Basler Stiftungen Edith Maryon und Habitat ist dabei nur eines von verschiedenen im Schweizer Stiftungsreport 2014 dargestellten Beispielen.

Wissenschaftsförderung und Genf an der Spitze
Erstmals lassen sich aufgrund einer neuen Datenerhebung Aussagen zu den Tätigkeitsbereichen der 381 neu gegründeten Stiftungen machen: Die Hälfte der Stiftungen verfolgt soziale Zwecke, gefolgt von Bildung und Forschung mit 45% sowie Kultur und Freizeit mit 37%. Damit schreibt sich das im letzten Stiftungsreport und in einer Studie des Center for Philanthropy der Universität Basel aufgezeigte wachsende Interesse an privater Wissenschaftsförderung fort. Die Auswertung der Stiftungszwecke aller gemeinnützigen Schweizer Stiftungen wird in den nächsten Stiftungsreports weiter vertieft. Zoomt man von der nationalen auf die kantonale Ebene wird einmal mehr die hohe Stiftungsdynamik in der Romandie deutlich. Mit der Gesamtmenge von 2'286 Stiftungen liegt Zürich zwar nach wie vor an der kantonalen Spitze, gefolgt von Bern mit 1’421 und dem Waadtland mit 1'398 gemeinnützigen Stiftungen. Beim Nettowachstum hat Genf den Kanton Zürich aber deutlich überholt. Ein negatives Wachstum weisen die Kantone Glarus und Neuenburg aus. In beiden wurden mehr Stiftungen liquidiert als gegründet. Wie in den Vorjahren steht ein grosser Teil der neu gegründeten Stiftungen unter eidgenössischer Aufsicht und verfolgt damit nationale oder internationale Zwecke.

Schweiz und Europa
In der Schweiz scheint im vergangenen Jahr mit der Abschreibung der Motion Luginbühl und der Ablehnung des Bundesrats, das Stiftungsrecht grundlegend zu revidieren, auf gesetzgeberischer Ebene etwas Ruhe eingekehrt zu sein. Demgegenüber läuft die Entwicklung eines europäischen Stiftungsstatuts auf ihren vorläufigen Höhepunkt zu: Der Gesetzgebungsvorgang soll in der laufenden Ratspräsidentschaft abgeschlossen werden; gleichzeitig ist die notwendige einstimmige Annahme des Statuts aber mehr als fraglich. Ein Autorenbeitrag von Prof. Dominique Jakob von der Universität Zürich greift diese Entwicklung auf und stellt die Frage, wie ein europäisches Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsrecht doch noch gelingen kann. In einem weiteren Beitrag stellt Jakob ein System vor, mit welchem Stiftungsrechtsordnungen international verglichen werden können. Eine erste Punktevergabe demonstriert, dass die Schweiz sowohl im Bereich der Governance als auch der Freiheitlichkeit punkten kann, was eine wichtige Erkenntnis für die Weiterentwicklung (auch des Schweizer) Stiftungsrechts sein kann.

Stiftungen zufrieden mit ihrer Aufsicht
In einer erstmalig durchgeführten Umfrage zur Zufriedenheit von gemeinnützigen Stiftungen mit ihren Aufsichtsbehörden werden diesen gute bis sehr gute Noten erteilt. Die überwiegende Mehrheit der 156 an der Umfrage teilgenommenen Stiftungen fühlt sich gut bis sehr gut betreut, beurteilt die Anforderungen an Berichte und Dokumente als angemessen und nimmt die zuständige Aufsicht als kunden- und serviceorientiert wahr. Kritik üben die Stiftungsvertreter einzig an den Kosten, die insbesondere von kleinen Stiftungen als zu hoch beurteilt werden. Der Anstieg der Kosten ist eine direkte Folge der kürzlich erfolgten Ausgliederung der Stiftungsaufsichten aus den kantonalen Verwaltungen in selbständige, öffentlichrechtliche Anstalten.

Neben Zahlen, Fakten und relevanten Entwicklungen im In- und Ausland beinhaltet der Schweizer Stiftungsreport 2014 auch Interviews und Gastbeiträge verschiedener Experten aus Wissenschaft und Praxis sowie eine Übersicht zu Neuerscheinungen und Veranstaltungen des vergangenen Jahres.

Die Herausgeber danken der AVINA STIFTUNG und der Gebert Rüf Stiftung für ihre grosszügige Unterstützung.

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich von Beate Eckhardt, lic. phil. I, EMScom (SwissFoundations, Verband der Schweizer Förderstiftungen), Prof. Dr. Dominique Jakob (Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich) und Prof. Dr. Georg von Schnurbein (Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel) herausgegeben. Er ist die wichtigste Informationsquelle zum Zustand und zur Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors und zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends. Der Report kann unter www.stiftungsreport.ch kostenlos in deutscher und französischer Sprache heruntergeladen werden.

Auskunft
Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, eckhardt@swissfoundations.ch

Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht der Universität Zürich,
+41 44 634 15 76, dominique.jakob@rwi.uzh.ch

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Direktor Center for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität
Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein@unibas.ch

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Basel, 14. April 2014

Ein Fünftel der Schweizer Stiftungen unterstützt Wissenschaft

Immer mehr Stiftungen in der Schweiz fördern die Wissenschaft. Zwei Drittel dieser Stiftungen sind auf ein bestimmtes Forschungsgebiet fokussiert, und die Hälfte beschränkt sich zusätzlich auf eine einzelne Art von Förderung. Aus Sicht der Hochschulen sind diese Stiftungen wichtige Förderpartner, um Projekte schneller umsetzen zu können.

Philanthropie für die Wissenschaft liegt im Trend. Die Anzahl der Stiftungen, die einen Bezug zu Wissenschaft und Hochschulen in den Zweckbestimmungen aufweisen, wächst stärker als der ohnehin wachsende Stiftungssektor. Gerade in den letzten zwanzig Jahren hat Wissenschaftsförderung als Stiftungszweck deutlich an Bedeutung gewonnen. Gemäss einer Studie des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel (CEPS) gibt es in der Schweiz 2‘305 wissenschaftsfördernde Stiftungen, das sind fast ein Fünftel (18,8%) aller gemeinnützigen Stiftungen.

Mit 43,1% unterstützt der Grossteil dieser Stiftungen die Medizin, gefolgt von den Geisteswissenschaften (28,6%) und den Naturwissenschaften (20,3%). Zwei Drittel der Stiftungen fokussieren sich auf eine einzelne Forschungsdisziplin, und die Hälfte beschränkt sich zusätzlich auf eine bestimmte Fördertätigkeit. Neben der Forschungsförderung (72,5%) sind dies vor allem die Unterstützung von Lehrtätigkeiten und Beiträge an Studierende (35,6%) sowie Beiträge an Publikationen (15,5%). Die private Wissenschaftsförderung ist durch die grosse Zahl der Stiftungen insgesamt breiter und vielfältiger als die staatliche Finanzierung.

Stiftungen als Strategiebeschleuniger
Für die Studie wurden ausserdem die Vertreter von Hochschulen nach der Bedeutung der privaten Wissenschaftsförderung für die Hochschulen gefragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Stiftungsgelder die hohen staatlichen Budgetmittel nicht ansatzweise ersetzen können: Die private Wissenschaftsförderung deckt im Durchschnitt den Gesamtaufwand der universitären Hochschulen nur zu rund 6%.
Private Fördermittel dienen den Universitäten bei der Umsetzung ihrer Strategien und helfen, innovative und interdisziplinäre Projekte voranzubringen, die sich über reguläre Mittel nicht finanzieren liessen. Im Konkurrenzkampf um private Fördermittel sind Hochschulen, die in der Vergangenheit bereits hohe Fundraising-Erträge einwerben konnten, im Vorteil. Zusätzlich werden eher Projekte gefördert, die gut strukturiert sind und bei denen sich der Erfolg klar messen lässt.

Hochschulen haben Entwicklungsbedarf
Trotz Grossspenden im dreistelligen Millionenbereich, welche Schweizer Hochschulen in den vergangenen Jahren von Hansjörg Wyss und Ernesto Bertarelli, Branco Weiss und der UBS erhalten haben, besteht bei den Hochschulen noch einen grosser Entwicklungsbedarf in Bezug auf einen professionellen Umgang mit privaten Fördergeldern. «Um in Zukunft die universitäre Autonomie auch in Finanzangelegenheiten zu bewahren, sind Grundsätze wie Transparenz und Langfristigkeit bei privaten Förderengagements von zentraler Bedeutung», so Studienleiter Prof. Georg von Schnurbein vom CEPS.

Originalbeitrag
Die Studie "Philanthropie für die Wissenschaft – Wie Schweizer Stiftungen die Forschung unterstützen" kann frei im Internet heruntergeladen werden.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Center for Philanthropy Studies, Universität Basel, Peter-Merian-Weg 6, 4002 Basel, Tel. +41 61 267 23 92, E-Mail: georg.vonschnurbein@unibas.ch

Basel, 27. Januar 2014

Professur für Stiftungsmanagement an der Universität Basel besetzt

Der Universitätsrat der Uni Basel hat die neue Professur für Stiftungsmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät genehmigt und Professor Georg von Schnurbein in dieses Amt gewählt. Mit der Position verbunden ist die Leitung des Center for Philanthropy Studies (CEPS), das seit Anfang 2014 ein Universitätsinstitut der Universität Basel ist.

Das interdisziplinär ausgerichtete CEPS wurde 2008 auf Initiative von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, eröffnet und deckt mit seinen Leistungen Themenkomplexe zur Philanthropie ab, insbesondere Formen des privaten, gemeinnützigen Handelns und das Management von Nonprofit-Organisationen. Der Ausbau zum Universitätsinstitut wird von einem Stiftungskonsortium mit 2,5 Mio. Franken für fünf Jahre gefördert. Dazu gehören die Age Stiftung, AVINA STIFTUNG, Sophie und Karl Binding Stiftung, Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung, Ernst Göhner Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Christoph Merian Stiftung, GEBERT RÜF STIFTUNG sowie UBS Stiftung für Soziales und Ausbildung.

Zum Professor für Stiftungsmanagement hat der Universitätsrat nun Prof. Georg von Schnurbein gewählt, den bisherigen Leiter des CEPS und seit 2008 Assistenzprofessor für Stiftungsmanagement an der Universität Basel. Von Schnurbein, geboren 1977 in Regen (Deutschland), studierte Wirtschaftswissenschaften mit Nebenfach Politikwissenschaften an den Universitäten Bamberg, Fribourg i.Ue. und Bern. Darauf war er von 2001 bis 2007 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Verbandsmanagement-Institut der Universität Fribourg tätig. Die Promotion erfolgte im Jahr 2007. Seine Forschungsschwerpunkte sind Stiftungswesen, Governance und Nonprofit Management. Von Schnurbein ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter CEPS, Universität Basel, Tel. +41 (0)61 267 34 63, E-Mail: Georg.vonSchnurbein-at-unibas.ch

Basel, 25. November 2013

Externe Mandate bei gemeinnützigen Organisationen – erstmalige Fachpublikation für die Schweiz 

Externe Mandate sind bei gemeinnützigen Organisationen weit verbreitet. Neben zahlreichen Vorteilen bringt die externe Mandatsvergabe auch Herausforderungen mit sich. Als erste Schweizer Fachpublikation geht die vom Centre for Philanthropy Studies der Universität Basel (CEPS) in Zusammenarbeit mit der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) herausgegebene Studie umfassend auf diese Fragen ein.

Gemeinnützige Organisationen nehmen nicht selten professionelle externe Dienstleister in Anspruch – etwa in der Mittelbeschaffung, der Vermögensverwaltung, der Rechtsberatung oder der Revision. Die vorliegende Publikation beschreibt, welche Ineffizienzen durch eine intransparente Vergabepraxis, überhöhte Honorare oder ungenügende Qualifikationen entstehen können. Zudem zeigt sie auf, wie sich solche unerwünschten Begleiterscheinungen durch einfache Massnahmen vermeiden lassen.

Befragung der Stiftungsaufsicht als Grundlage

Weitere Themen sind die Erteilung von Mandaten an Mitglieder des obersten Leitungsorgans (Stiftungsrat, Vereinsvorstand) sowie die Einsetzung von Sachwaltern durch die Stiftungsaufsichtsbehörden. Der Publikation liegt eine Befragung einer Vielzahl von Schweizer Stiftungsaufsichtsbehörden zugrunde.

Herausgeber und Autoren

Initiiert wurde die Publikation von den beiden Herausgebern Prof. Dr. Daniel Zöbeli (Fernfachhochschule Schweiz, FFHS) und Dr. Luzius Neubert (PPCmetrics AG). Sie erscheint in Zusammenarbeit mit dem Centre for Philanthropy Studies der Universität Basel (CEPS) und vereint die Erfahrung folgender Fachexperten, die als Autoren mitgewirkt haben:

  • Dr. Peter Buss, NonproCons AG, Basel (Fundraising),         
  • Prof. Dr. Reto Eberle und Derya Egeli, Universität Zürich (Revision),
  • Dr. Luzius Neubert, PPCmetrics AG, Zürich (Vermögensverwaltung),
  • Patrick Rohrbach, Eidgenössische Stiftungsaufsicht, Bern (Sachwalter),
  • Dr. Daniela Schönenberg, Homburger AG, Zürich (Rechtsberatung),
  • Prof. Dr. Daniel Zöbeli, Fernfachhochschule Schweiz, Regensdorf (Mandatsvergabe an die obersten Leitungsorgane).     

Die Publikation erscheint unter dem Titel „Externe Mandate von Nonprofit-Organisationen – Welche Aspekte sind besonders zu beachten?“ und ist ab sofort kostenlos im Internet verfügbar.

Kontaktpersonen für weitere Informationen

Basel, 15. November 2013

Integrierte Freiwilligenkoordination – neue Potenziale für Nonprofit Organisationen

Freiwilligenarbeit ist essentiell für unsere Zivilgesellschaft. Über 30% der Arbeitsleistung von NPO wird durch Freiwillige geleistet. Diese Arbeitskraft ist aber nicht selbstverständlich, sondern beruht auf der Bereitschaft vieler Menschen, ihre Freizeit für das Gemeinwohl einzusetzen. Freiwillige wollen erleben, dass ihr Einsatz auch wirklich Sinn macht und einen Mehrwert stiftet. Um dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden, müssen NPO sich aktiv um die Koordination von Freiwilligen kümmern. Ohne eine angemessene Integration der Freiwilligen in die Organisation verpufft viel Potenzial.

Während frühere Studien vor allem die Sicht der Freiwilligen untersuchten, präsentiert die Publikation „Integrierte Freiwilligenkoordination: Ein Leitfaden für Schweizer NPO“ erstmals Daten zum aktuellen Stand der Freiwilligenkoordination aus der Perspektive der Organisationen. Demnach verlassen sich NPO unterschiedlich stark auf Freiwillige, am häufigsten in der Eventorganisation, am seltensten in der Politikgestaltung. Im Durchschnitt wird 22 Minuten Koordinationsaufwand pro Freiwilligen betrieben. Die Mehrheit der befragten NPO siedelt die Freiwilligenkoordination nahe der strategischen Führung an. Integrierte Freiwilligenkoordination umfasst daher nicht nur die Anwendung von klassischen Personalführungsinstrumenten, sondern auch die Auseinandersetzung über die Position der Freiwilligen innerhalb der Organisation mit allen Betroffenen – bezahlten Mitarbeitenden, Führungsetage oder Klienten. Dabei sind sieben Grundprinzipien gegenüber Freiwilligen zu stärken: Respekt & informelle Wertschätzung, Interessenabgleich, Rollenklarheit, Bekenntnis der strategischen Führung zu den Freiwilligen, Teamgeist, Koordination über Organisationsgrenzen hinaus und Partizipation & Mitbestimmung.

Die Autoren Sibylle Studer und Georg von Schnurbein fassen die Erkenntnisse aus Recherche und Befragungen in einem Leitfaden zusammen, um eine integrierte Freiwilligenkoordination zu entwickeln, angepasst an die gesetzten Prioritäten und verfügbaren Ressourcen. Der Leitfaden ist zudem mit Checklisten und Lesetipps versehen und bietet damit ein konkretes Arbeitsinstrument für FreiwilligenkoordinatorInnen.

Informationen zur Publikation

Studer, Sibylle/ von Schnurbein, Georg (2013): Integrierte Freiwilligenkoordination: Ein Leitfaden für Schweizer NPO, CEPS Forschung und Praxis Band 9, Basel: CEPS, ISBN: 978-3-9523659-9-1

Die Publikation steht zum freien Download auf www.ceps.unibas.ch/publikationen zur Verfügung. Druckexemplare können zum Preis von CHF 30.00 (zzgl. Versandkosten) beim CEPS bestellt werden.

Weitere Auskünfte

Sibylle Studer, Centre for Philanthropy Studies (CEPS), Universität Basel, Peter-Merian-Weg 6, 4002 Basel, Tel. +41 / 61 /267 23 92, E-Mail: sibylle.studer-at-unibas.ch

Zürich, 5. Juni 2013

Jede fünfte Stiftung fördert an Hochschulen

Im vergangenen Jahr haben drei Grossspenden an Schweizer Hochschulen für Aufsehen gesorgt. Auch gemeinnützige Stiftungen investieren immer mehr in die private Wissenschaftsförderung. Fast jede fünfte Schweizer Stiftung ist heute forschungsfördernd tätig. Gesamthaft ist die Anzahl gemeinnütziger Stiftungen in der Schweiz auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Die 376 Neugründungen im vergangenen Jahr sind ein klares Indiz für die ungebrochene Attraktivität des Schweizer Stiftungssektors. Dies und mehr kann im frisch erschienenen Schweizer Stiftungsreport 2013 nachgelesen werden.

Ende 2012 waren 12‘957 gemeinnützige Stiftungen im Handelsregister eingetragen. Damit wurde das Spitzenergebnis aus dem Vorjahr nochmals übertroffen. Die 376 Neugründungen im vergangenen Jahr entsprechen in etwa dem Vorjahreswert. Über die Hälfte der neu gegründeten Stiftungen steht unter Eidgenössischer Stiftungsaufsicht, hat also einen nationalen oder internationalen Zweck. Mit fast 40% weniger Liquidationen gemeinnütziger Stiftungen ist das Nettowachstum 2012 deutlich höher ausgefallen als im Vorjahr.

Wenige Veränderungen haben sich in der kantonalen Verteilung ergeben. Zürich liegt mit 2‘232 gemeinnützigen Stiftungen nach wie vor an der Spitze, gefolgt vom Waadtland mit 1‘430 und Bern mit 1‘369 Stiftungen. Das bei weitem rasanteste Stiftungswachstum, gemessen an der kantonalen Gesamtzahl, verzeichnet der Kanton Genf, gefolgt von den Kantonen Tessin und St. Gallen. Die niedrigsten Wachstumswerte der zehn grössten Stiftungskantone weisen mit 0.6 Prozent das Wallis und mit 0.7 Prozent der Kanton Basel-Stadt aus. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl bleibt Basel-Stadt dennoch unangefochten der stiftungsreichste Kanton. Die Stiftungsdichte liegt dort bei 46.8 Stiftungen auf 10‘000 Einwohner. Zum Vergleich: In Würzburg, der Stadt mit der höchsten Stiftungsdichte in Deutschland, ist dieser Wert sechsmal tiefer.

Ein Blick ins benachbarte Ausland bestätigt das stabile und positive Bild des Schweizer Stiftungssektors: In Deutschland ist die Zahl der Neugründungen von 2007 bis 2012, trotz weitreichender Gesetzesreformen, um fast die Hälfte gesunken. Dies scheint ein Hinweis darauf zu sein, dass die Gründung von Stiftungen nicht primär in steuerlichen Anreizen, sondern in der Verfügbarkeit von freiem Kapital liegt.

Private Wissenschaftsförderung im Fokus
Im Schweizer Stiftungssektor gewinnt die private Wissenschaftsförderung zunehmend an Bedeutung. Hatten 1990 gerade mal 427 Stiftungen das Thema der Wissenschaftsförderung im Zweck, war dies 2010 bereits bei über 2‘300 Stiftungen der Fall. Die Reaktionen auf die von der UBS kürzlich gegründete und mit 100 Millionen Franken ausgestattete „UBS Foundation of Economics in Society“ haben jedoch gezeigt, dass privates Forschungsengagement noch immer kritisch beäugt wird. Dabei hat dieses in der Schweiz seit Entstehung der Universitäten eine lange Tradition. Mit Spannung darf die Schweizer Länderstudie erwartet werden, die das Centre for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel im Rahmen des gesamteuropäischen Forschungsprojekts „European Foundations for Research and Innovation Study“ erarbeitet. Erste Zahlen, Hintergründe sowie ein Interview mit Dr. Donald Tillman, Geschäftsführer der ETH Zürich Foundation, finden sich im Schweizer Stiftungsreport 2013.

Kein gesetzlicher Revisionsbedarf
Das Schweizer Stiftungsrecht und die Stiftungsaufsicht müssen nicht revidiert werden. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in seinem Bericht vom 27. Februar 2013 zur Abschreibung der Motion Luginbühl. Zwar will der Bundesrat die unbestritten attraktiven Rahmenbedingungen des Schweizer Stiftungssektors stärken und die internationalen Entwicklungen sorgfältig verfolgen, er sieht derzeit aber keinen gesetzlichen Handlungsbedarf. Auch zu weiteren Themen, wie der Einführung einer Oberaufsicht, hat der Bundesrat Stellung bezogen und einen Reformbedarf verneint. Erneut auf den Tisch gekommen ist hingegen das brisante Thema der Entschädigung von Stiftungsratsmitgliedern in Form von zwei Interpellationen des Waadtländer Ständerats Luc Recordon, der die Entschädigungsmöglichkeit liberaler gehandhabt und rechtlich geklärt wissen möchte. Steuerrechtlich gesehen geben vor allem neue Fördermodelle mittels Darlehen und Private Equity zu reden. Immer mehr gemeinnützige Stiftungen fördern nicht nur durch Ausrichtung von Schenkungen, sondern setzen auf neue Fördermodelle und bringen damit einen Geldkreislauf in Gang, in welchem potentielle Rückflüsse wiederum für den gemeinnützigen Zweck verwendet werden können. So attraktiv diese Fördermodelle sind, so kritisch werden sie von einigen Steuerbehörden noch beurteilt. Dr. Thomas Sprecher erläutert die Ausgangslage in einem Gastartikel im Stiftungsreport 2013 und formuliert erstmals fünf Postulate für den Umgang mit Darlehen und Investitionen durch gemeinnützige Stiftungen.

Dialog Staat und Stiftungssektor
Interessante Entwicklungen im Verhältnis von Stiftungen und Staat lassen sich zurzeit in England, Irland und Holland beobachten. In allen drei Ländern, wenn auch unter anderen Vorzeichen, findet eine Annäherung zwischen Staat und drittem Sektor statt. Während sich die Entwicklung in Holland in einem Vertrag zwischen Regierung und Stiftungssektor manifestiert, wurde in Irland im selben Zeitraum von der Regierung ein Forum für Philanthropie gegründet und in England von David Cameron das Programm der „Big Society“ ausgerufen. Alle drei Initiativen streben unter anderem eine verbesserte öffentliche Wahrnehmung des Stiftungssektors an.

Abgerundet wird der Stiftungsreport von Interviews und Gastbeiträgen zu verschiedenen Themen sowie einer Übersicht über Studien, Neuerscheinungen und Veranstaltungen des vergangenen Jahres.

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich von Beate Eckhardt, lic. phil. I, EMScom (SwissFoundations, Verband der Schweizer Förderstiftungen), Prof. Dr. Dominique Jakob (Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich) und Prof. Dr. Georg von Schnurbein (Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel) herausgegeben. Er ist die wichtigste Informationsquelle zum Zustand und zur Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors und zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends. Der Report kann unter www.stiftungsreport.ch kostenlos in deutscher und französischer Sprache heruntergeladen werden.

Unterstützt wurde der Schweizer Stiftungsreport 2013 von der AVINA STIFTUNG und der Fondation Lombard Odier.

Auskunft
Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, beate.eckhardt@swissfoundations.ch

Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht der Universität Zürich, +41 44 634 15 76, dominique.jakob@rwi.uzh.ch

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter Centre for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein@unibas.ch

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Zürich, 22. Mai 2012

Der Schweizer Stiftungssektor wächst weiter

2011 wurden in der Schweiz 374 neue Stiftungen gegründet. Spitzenreiter in Bezug auf die Gesamtzahl der eingetragenen Stiftungen ist wie im Vorjahr der Kanton Zürich, gefolgt von den Kantonen Waadt, Bern und Genf. Damit waren im vergangenen Jahr 12‘751 gemeinnützige Stiftungen aktiv, so viele wie nie zuvor. Auch das Stiftungsvermögen ist trotz der Finanzkrise deutlich angestiegen und beträgt über 70 Milliarden Franken. Dieser erfreuliche Trend kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Stiftungswesen in einem Umbruch befindet – in der Schweiz wie in Europa. Der gestern präsentierte Schweizer Stiftungsreport 2012 bietet neue Ein- und Ausblicke.

Die Schweiz gehört zu den spendabelsten Ländern Europas. Neben privaten Spenden von jährlich rund 1.3 Milliarden Franken schütten gemeinnützige Stiftungen in der Schweiz jedes Jahr zwischen ein und zwei Milliarden Franken aus. Mit 374 gemeinnützigen Stiftungen wurde im vergangenen Jahr mehr als eine Stiftung pro Tag gegründet. Abgesehen von 2009 ist dies jedoch ein geringerer Wert als in den vergangenen Jahren. Damit bestätigt sich der im letztjährigen Stiftungsreport nachgezeichnete Zusammenhang von Stiftungsgründungen und wirtschaftlichem Wachstum. Basierend auf einer aktuellen Umfrage bei den Schweizer Stiftungsaufsichten liefert der Stiftungsreport 2012 erstmals seit 2005 genaue Zahlen zum Stiftungsvermögen der gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz, welche ein Gesamtvermögen von über 70 Milliarden Franken ausweisen. Im Durchschnitt verfügt eine klassische Stiftung in der Schweiz damit über ein Vermögen von 6.2 Millionen Franken.

Weiterhin starkes Wachstum in der Romandie
Wie bereits im Vorjahr verzeichnet der Kanton Genf mit 4.4% Wachstum den grössten Zuwachs an Stiftungsgründungen in der Schweiz, gefolgt vom Kanton Zürich mit 3.5% und dem Kanton Basel-Stadt mit 3.3%. Die absolut meisten Stiftungen wurden mit 78 Neugründungen im Kanton Zürich errichtet, gefolgt von den Kantonen Genf mit 47 und Bern mit 37 neuen Stiftungen. Schlusslicht unter den zehn grössten Stiftungskantonen ist absolut wie relativ der Kanton Wallis mit fünf Neugründungen. Gemessen an der Stiftungsdichte bleibt der Kanton Basel-Stadt mit 46,4 Stiftungen auf 10‘000 Einwohner der mit Abstand stiftungsreichste Kanton. Der Schweizer Durchschnitt bei der Stiftungsdichte liegt bei 16 Stiftungen pro 10‘000 Einwohner.

Wachsende Herausforderungen für Stiftungsräte
Die Entwicklungen an den Finanzmärkten wirken nicht nur auf die Anzahl der Neugründungen ein, sondern fordern die Stiftungsverantwortlichen auch in der operativen Arbeit. In einem von tiefen Renditen und anhaltend hohen Finanzmarktrisiken geprägten Umfeld wird die Vermögensanlange auch bei Stiftungen zu einer immer stärker herausfordernden Managementaufgabe. Viele Stiftungen stehen vor dem Entscheid, entweder ihr Fördervolumen den geringeren Erträgen anzupassen oder ihr Vermögen anzugreifen, um den Ertragsausfall zu kompensieren. Auf der Suche nach Alternativen zu Kapitalerhalt und rein rendite-orientierter Vermögensanlage werden zunehmend neue Ansätze wie Mission-related oder Impact Investment diskutiert. Ziel dabei ist es, auch das Stiftungsvermögen selbst in die Zweckerfüllung einzubeziehen, etwa indem die Vermögensanlage mit dem Stiftungszweck kompatibel gestaltet oder zumindest vermieden wird, dass die Vermögensanlage dem Stiftungszweck aktiv entgegenwirkt. Ein Gastartikel im Stiftungsreport 2012 bietet eine erste begriffliche und inhaltliche Übersicht über die verschiedenen Konzepte und Ansätze sowie den Stand der Diskussionen.

Aktuelle Diskussionen im Stiftungsland Schweiz
Parallel zum zunehmenden Professionalisierungsbedarf in Stiftungsräten wächst auch die Diskussion rund um die Honorierung der obersten Organe, die bis dato mehrheitlich ehrenamtlich arbeiten. Gemäss Schätzungen erbringen Ehrenamtliche und Freiwillige in der Schweiz jährliche Arbeitsleistungen, die rund 80'000 Vollzeitstellen entsprechen. Allein Stiftungen weisen einen geschätzten Bedarf von gegen 76'000 Stiftungsräten auf. Ein im Report enthaltener Gastartikel führt in das Thema ein und stellt den aktuellen Stand der Diskussionen vor. Bereits seit einigen Jahren wird von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht, dass es in der Schweiz weder ein umfassendes Stiftungsregister noch verlässliche Daten zum Stiftungssektor insgesamt gibt. Ein Blick ins benachbarte Ausland zeigt, dass von insgesamt 30 untersuchten Ländern – anders als in der Schweiz oder in Deutschland – 22 Länder eine Publikationspflicht von gewissen Geschäfts- und Finanzberichten kennen. Eine solche führt jedoch nicht automatisch zu guten Stiftungsregistern. Die besten Datenbanken und -erhebungen finden sich in Ländern wie den USA oder England, wo eine staatlich standardisierte Datenerfassung gewährleistet ist. Trotz zahlreicher Bemühungen scheint die Schweizer Politik bis anhin einer Erfassung und Publikation von wichtigen Stiftungsdaten keine erhöhte Priorität einzuräumen Unübersichtlichkeit statt Transparenz Während die laufenden parlamentarischen Initiativen im vergangenen Jahr nur geringen Fortgang nahmen, wurde die Ausgliederung der Stiftungsaufsichten in öffentliche Anstalten mit grossem Interesse verfolgt. Der Stiftungsreport 2012 nimmt eine erste Bestandsaufnahme vor, die aufhorchen lässt. Zwar wurden neue Konkordate geschaffen und die Stiftungsaufsichten somit auf den ersten Blick harmonisiert und professionalisiert. Allein: All diese Zusammenschlüsse sind lediglich für BVG-Stiftungen zwingend vorgesehen. Knapp die Hälfte aller Kantone behalten die Aufsicht über klassische Stiftungen weiterhin innerhalb ihrer eigenen Verwaltungseinheiten, was zu einer inhaltlichen wie institutionellen Spaltung der Stiftungsaufsicht führt. Die Neuregelung der Stiftungsaufsichten trägt damit – bei allem Streben nach Professionalität, Transparenz und Governanace – kaum zur Übersichtlichkeit des kantonalen Aufsichtswesens bei.

Die europäische Stiftung
Der Schweizer Stiftungsreport lotet in mehrfacher Hinsicht die Grenzen des Stiftungswesens aus. So berichtet der Report über wichtige Entwicklungen jenseits der Schweizer Grenzen, insbesondere über den Vorschlag für ein europäisches Stiftungsstatut; dieser wurde von der Europäischen Kommission im Februar 2012 veröffentlicht und sieht eine Europäische Stiftung (Fundatio Europaea) vor, die die grenzüberschreitende, gemeinnützige Stiftungstätigkeit dereinst erleichtern soll. Dass Europa im Gemeinnützigkeitsbereich zusammenrückt, zeigt auch der weitere Abbau von Diskriminierungen bei der steuerlichen Behandlung von grenzüberschreitenden Zuwendungen und Spenden.

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich von Beate Eckhardt (SwissFoundations, Verband der Schweizer Förderstiftungen), Prof. Dr. Dominique Jakob (Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich) und Prof. Dr. Georg von Schnurbein (Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel) herausgegeben. Er ist die wichtigste Informationsquelle zum Zustand und zur Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors und zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends. Der Report kann unter www.stiftungsreport.ch kostenlos in deutscher und französischer Sprache heruntergeladen werden.

Unterstützt wurde der Schweizer Stiftungsreport von der ERNST GÖHNER STIFTUNG und der Fondation Lombard Odier.

Auskunft

Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 79 617 03 26, +41 44 440 00 10, beate.eckhardt-at-swissfoundations.ch

Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich, +41 76 233 75 42, +41 44 634 15 76, dominique.jakob-at-rwi.uzh.ch

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter Centre for Philanthropy Studie (CEPS) der Universität Basel, +41 61 267 34 63, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

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Basel, 29. März 2012

Wie viel darf ein Stiftungsrat oder ein Vereinspräsident verdienen?

In der Schweiz gibt es derzeit gegen 12'500 Stiftungen, 76'000 Vereine und 10'000 Genossenschaften. Gemeinnützige Arbeit wird umso wichtiger, je mehr sich der Staat aus Spargründen aus bisherigen Aufgabengebieten zurückzieht. Eine vom Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel publizierte Studie nimmt erstmals umfassend zur bisherigen Praxis von Aufsichts- und Steuerbehörden Stellung: Moderate Entschädigungen stellen das Nonprofit-System nicht in Frage – im Gegenteil. Es müssen auch künftig genügend Freiwillige bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und sich dabei einem Haftungsrisiko auszusetzen.

Bisher werden Nonprofit-Organisationen (NPO) meistens von ehrenamtlichen Vorständen und Stiftungsräten geführt und lediglich mit einem Spesenersatz entschädigt. Nach Schätzungen erbringen Ehrenamtliche und Freiwillige in der Schweiz jährliche Arbeitsleistungen, die rund 80'000 Vollzeitstellen entsprechen. Allein Stiftungen weisen einen geschätzten Bedarf von gegen 76'000 Stiftungsräten auf. Die Entwicklungen der letzten Jahre geben jedoch Anlass, die «reine» Ehrenamtlichkeit auf den Prüfstand zu stellen. Der stetig wachsenden Zahl an NPO – die Hälfte aller gemeinnützigen Stiftungen wurden in den letzten zehn Jahren gegründet – stehen immer höhere Anforderungen gegenüber. Einerseits entstehen laufend neue gesetzliche Vorschriften, anderseits befindet sich der Sektor in einer ausgeprägten Professionalisierungs-phase. Bei vielen Stiftungsräten und Vereinsvorständen sind die fachlichen und zeitlichen Anforderungen mittlerweile mit jenen von KMU-Verwaltungsäten vergleichbar und die Haftungsrisiken infolge fehlender Déchargemöglichkeit sogar weitaus grösser.

Zunehmende Akzeptanz der Behörden
Die vom Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel publizierte Studie wurde von Kaspar Müller, unabhängiger Ökonom (u.a. Leiter der Arbeitsgruppe FER 21 und Präsident von Ethos), und Daniel Zöbeli, Professor und Leiter des Instituts für Management und Innovation der Fernfachhochschule Schweiz, verfasst. Ihre systematische Umfrage bei den wichtigsten Stiftungsaufsichts- und Steuerbehörden zeigt, dass moderate und leistungsbezogene Entschädigungen gemeinnütziger Leitungsgremien zunehmend akzeptiert werden. So weist die Aufsichtsbehörde Baselland in einem Informationsschreiben darauf hin, «dass im heutigen Umfeld und abhängig von der Grösse und vom Tätigkeitsbereich die Führung von Stiftungen den Einsatz von professionellen Kräften» verlange. Deshalb könne «aufgrund einer reglementarischen Grundlage auch ein moderates, das übliche Mass nicht übersteigendes Sitzungsgeld» festgelegt werden. Offensichtliche Missbräuche wie Entschädigungsexzesse im gemeinnützigen Bereich seien selten.

Die Autoren der Studie halten fest, dass die Entschädigung professioneller Arbeit das Nonprofit-System nicht grundsätzlich in Frage stellt – ganz im Gegenteil. Aus Effizienzüberlegungen sind moderate Entschädigungen so lange angemessen, wie die geleistete Arbeit mehr wert ist als die Bezahlung. Zudem fällt es der Organisation leichter, die entsprechende Leistung in einer verbindlichen Qualität einzufordern.

Entschädigung für operative Tätigkeiten
Grundsätzlich wird zwischen (fixen) Positionsentschädigungen und Sitzungsgeldern für die strategische Führung der Organisation und Entschädigungen für ausserordentliche, meist operative Tätigkeiten unterschieden. Werden für erstere im Schnitt Sitzungsentschädigungen zwischen 200 und 300 Franken akzeptiert, können Mitglieder des obersten Leitungsgremiums für Aufgaben, die über die ordentliche Tätigkeit hinausgehen, gemäss der Schweizerischen Steuerkonferenz nach maktüblichen Koniditionen entschädigt werden. Wichtig ist jedoch, dass diese Grundsätze in einem Reglement schriftlich festgehalten und von einer übergeordneten Instanz gutgeheissen werden. Auch verlangt das Transparenzgebot, Entschädigungen von Vereinsvorständen und Stiftungsräten in der Jahresrechnung offenzulegen.

Ein Punkt wurde in der aktuellen Debatte bis jetzt kaum erwähnt: Anstelle einer Bezahlung gibt es in der Praxis viele andere Möglichkeiten, Stiftungsräten und Vereinsvorständen indirekte Vorteile zukommen zu lassen – und diese sind dann in der Regel alles andere als systematisch, gerecht oder transparent. Sei es etwa, dass überteuerte Leistungsaufträge an Stiftungsräte vergeben werden oder Vorstände von kostenlosen Dienstleistungen profitieren (luxuriöse Hotel- und Restaurantbesuche, Gratisferien im Clubhaus, kostenlose Benützung des Büros) usw. Zudem besteht vor allem bei vermögenden Einrichtungen das Risiko, dass im Anlagebereich von Kickbacks und allerlei anderen «Geschenken» profitiert werden könnte.

Die Studie kann in deutscher Sprache kostenlos heruntergeladen werden. Die französische Ausgabe folgt in den nächsten Tagen. Unterstützt wurde die Publikation von SwissFoundations, der Fondation PRO VICTIMIS und der Fondation 1796.

Weitere Auskünfte

Prof. Dr. Daniel Zöbeli, Fernfachhochschule Schweiz (FFHS), Zürich, +41 (0)44 842 15 54, daniel.zoebeli-at-ffhs.ch

Kaspar Müller, unabhängiger Ökonom (u.a. Leiter der Arbeitsgruppe FER 21 und Präsident von Ethos) + 41 61 263 93 91, mail-at-kaspar-mueller.ch

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Assistenzprofessor Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Centre for Philanthropy Studies, Tel.: +41 (0)61 267 34 63, E-Mail: Georg.Vonschnurbein-at-unibas.ch

Basel, 17. November 2011

Neues Weiterbildungsangebot in NPO-Management und -Recht
University Professional in Nonprofit Management & Law (DAS/UP)

Das Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel bietet neu das Nachdiplomstudium „University Professional in Nonprofit Management & Law„ an. Die berufsbegleitende universitäre Weiterbildung vermittelt wissenschaftlich fundiertes und praxisnahes Wissen in Nonprofit-Management und verwandten Themengebieten. Angesprochen sind Personen, die zum Ziel haben, ihre persönliche Bildung und berufliche Qualifikation für Führungsaufgaben in NPO zu erweitern.


Im Unterschied zu bestehenden Angeboten zum Nonprofit-Management behandelt dieses Nachdiplomstudium konsequent alle zentralen Inhalte aus betriebswirtschaftlicher und juristischer Perspektive. Diese integrative Vermittlung interdisziplinärer Inhalte verdeutlicht Zusammenhänge und entspricht den Management-Herausforderungen im Alltag.

Die Weiterbildung umfasst 30 ECTS-Punkte und führt zum Abschluss eines Diploma of Advanced Studies (DAS) der Universität Basel. Inhaltlich setzt sie sich aus drei verschiedenen Lehrgangseinheiten zusammen: Den Zertifikatslehrgängen „Nonprofit Governance & Leadership (CAS)“ und „Performance & Kommunikation in NPO (CAS)“ und einem Intensiv-Lehrgang als Spezialisierung (Stiftungsmanagement oder Finanzmanagement). Dank des modularen Aufbaus ist der Einstieg mit jedem Lehrgang möglich.

Nächste Termine: 19. März 2012 (Intensiv-Lehrgang Stiftungsmanagement) oder 7. Mai 2012 (CAS Nonprofit Governance & Leadership).

Informationen zu Inhalten und Anmeldung finden Sie auf www.ceps.unibas.ch/Weiterbildung.

Zürich, 3. Mai 2011

Die Schweizer Stiftungslandschaft boomt. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung hat sich auch der Stiftungssektor erholt. 2010 wurden in der Schweiz so viele gemeinnützige Stiftungen gegründet wie in den Spitzenjahren 2007 und 2008. Sowohl bezüglich Stiftungsdichte als auch hinsichtlich geschätzter 6500 Franken Stiftungskapital pro Einwohner belegt die Schweiz nach wie vor einen europäischen Spitzenplatz. Der jährlich vom Centre for Philanthropy Studies an der Universität Basel, vom Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich und von SwissFoundations herausgegebene Stiftungsreport präsentiert die wichtigsten Fakten und Entwicklungen.

Der Stiftungstrend in der Schweiz ist nach wie vor ungebrochen. Nach einem konjunkturbedingten Rückgang im 2009 wurden in der Schweiz im vergangenen Jahr 508 gemeinnützige Stiftungen gegründet. Dies entspricht einer Zunahme von 32% gegenüber dem Vorjahr. Wie wichtig der Stiftungsplatz Schweiz ist, verdeutlichen ein paar wenige Kennzahlen: Ende 2010 waren 12‘531 gemeinnützige Stiftungen eingetragen. Gemäss Schätzungen weisen diese ein Gesamtkapital von rund 50 Milliarden Franken auf und schütteten zwischen einer bis zwei Milliarden aus. Dies entspricht in etwa 2% des letztjährigen Bundeshaushaltes. Trotz wachsender Professionalisierung und Transparenz in der Branche selbst, fehlen allerdings nach wie vor einheitliche und öffentlich zugängliche Daten.

Zürich, Basel und Romandie als Spitzenreiter

Wirft man einen Blick auf die kantonale Verteilung, so lassen sich deutliche Unterschiede im Stiftungsland Schweiz feststellen. In absoluten Zahlen liegt der Kanton Zürich mit 2‘153 gemeinnützigen Stiftungen an erster Stelle, gefolgt von den Kantonen Waadt, Bern, Genf und Basel-Stadt. In Relation zur Einwohnerzahl weist Basel-Stadt die höchste Stiftungsdichte auf, der Kanton Zürich fällt auf den 13. Platz zurück. Während im gesamtschweizerischen Durchschnitt 16.1 Stiftungen pro 10‘000 Einwohner gezählt werden, beläuft sich dieser Wert im Kanton Basel-Stadt auf 44.8 und ist damit fast sechsmal so hoch wie in Würzburg, der Stadt mit der höchsten Stiftungsdichte in Deutschland. Es verwundert daher nicht, dass Anfang 2011 der Verein „Stiftungsstadt Basel“ gegründet wurde, mit dem Ziel, Basel als Schweizer Stiftungsstadt bekannt zu machen. Überraschend ist auch die starke Entwicklung in der Romandie. Dort sind zwei Drittel der heute existierenden Stiftungen in den letzten zehn Jahren  gegründet worden. Die entsprechenden Werte sind in der deutschsprachigen Schweiz mit 43,8% und im Tessin mit 46,7% deutlich geringer. Insbesondere der Kanton Genf verzeichnet mit 182,7% die schweizweit höchste Zuwachsrate innerhalb der letzten zehn Jahre. „Eine wichtige Rolle spielt die internationale Positionierung von Genf“, vermutet Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter des Centre for Philanthropy Studies an der Universität Basel. „Fast die Hälfte aller Stiftungen in Genf steht unter eidgenössischer Aufsicht und verfolgt damit einen nationalen oder internationalen Zweck. Anfang 2000 war dies in Genf gerade einmal bei 27% aller gemeinnütziger Stiftungen der Fall.“

Rechtliche Entwicklungen

Begleitet wird das Wachstum von einer Reihe gesetzlicher Entwicklungen. So fordert eine im Jahr 2009 von Ständerat Werner Luginbühl eingereichte Motion die Angleichung der fiskalischen Rahmenbedingungen an die teilweise neue steuerliche Situation in den Nachbarländern, insbesondere an diejenige Deutschlands. Die Motion hat am 1. März 2010 die letzte Hürde genommen und wurde vom Ständerat an den Bundesrat zur Umsetzungsprüfung überwiesen. Letzerer hat angekündigt, hierbei auch weitere themenrelevante Punkte (Einführung eines Stiftungsregisters, Optimierung der Stiftungsaufsicht) zu behandeln. Daneben hat die Zusatzbotschaft des Bundesrats zu Teil B der Mehrwertsteuerrevision vom Juni 2010 für Aufruhr gesorgt. Um einen neuen Einheitssatz von 6.2% finanzieren zu können, möchte der Bundesrat zahlreiche Steuerausnahmen streichen. Unter anderem würden im sozial-, gesundheits-, bildungs- und kulturpolitischen Sektor eine ganze Reihe von Umsätzen neu steuerpflichtig. Eine Änderung, die auch die fördernden Stiftungen unmittelbar treffen würde.

Bewegung gibt es aber nicht nur im Schweizer Stiftungsrecht. Auch der europäische Stiftungssektor macht von sich reden. So wurde die Entwicklung der „Europäischen Stiftung“ vorangetrieben. Die Europäische Kommission prüft derzeit konkrete Schritte zur Einführung dieser neuen europäischen Stiftungsform. Signifikante Neuerungen gibt es auch im Bereich des grenzüberschreitenden Spendenverkehrs. Als Reaktion auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs haben bisher 17 europäische Länder ihre Steuergesetzgebungen dahingehend angepasst, dass Spenden an gemeinnützige Organisationen auch dann steuerlich absetzbar sind, wenn letztere ihren Sitz im Ausland haben. „Das Urteil hat auch Auswirkungen auf die Schweiz“, erklärt Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter des Zentrums für Stiftungsrecht an der Universität Zürich. „Denn die EU-Länder müssen den Abzug unter gewissen Voraussetzungen auch bei Spenden in Drittländer gewähren. In der Schweiz sollte daher darüber nachgedacht werden, im Gegenzug auch Spenden an gemeinnützige Institutionen mit Sitz in den EU-Staaten zum Abzug zuzulassen.“

Mehr Wirkung durch Kooperation

Neben aktuellen Zahlen und rechtlichen Entwicklungen geht der Schweizer Stiftungsreport 2011 auch neuen Trends im Stiftungsland Schweiz nach. Hoch im Kurs steht das Thema Kooperationen, das bereits von der 2010 präsentierten Studie „Stärkung der Philanthropie in der Schweiz“ der Fondation 1796 heraus gearbeitet wurde. „Gerade die starke Fragmentierung der Schweizer Stiftungslandschaft und die jüngsten Erfahrungen aus den letzten Wirtschaftsturbulenzen bieten allen Grund, Kosten durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen einzusparen“, ist Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, überzeugt. Ein gutes Beispiel dafür ist das 2010 eröffnete Haus der Stiftungen in Zürich, das neben SwissFoundations auch Geschäftsstellen von vier Stiftungen beherbergt. Neben derartigen Kooperationen zwischen Stiftungen finden aber auch neue Konzepte wie Dachstiftungen zunehmende Aufmerksamkeit. Diese bieten potenziellen Stiftern und Stifterinnen attraktive Alternativen zur Gründung einer eigenen Stiftung. Gerade kleinere Stiftungen können vom gebündelten Know-How und den geteilten Administrativkosten profitieren. Eine Stiftungsform, die vor dem Hintergrund der zahlreichen Klein- und Kleinststiftungen in der Schweiz – rund 80% aller unter eidgenössischer Aufsicht stehenden Stiftungen besitzen ein Kapital von weniger als fünf Millionen Franken – an Bedeutung zulegen wird.

Abgerundet wird der Schweizer Stiftungsreport von einem Anhang mit Hinweisen auf Veranstaltungen, Studien und Publikationen. Der Report kann in deutscher und französischer Sprache kostenlos unter www.stiftungsreport.ch herunter geladen werden.

Unterstützt wurde der Schweizer Stiftungsreport von der AVINA STIFTUNG, der ERNST GÖHNER STIFTUNG und der Fondation 1796.

Auskunftspersonen

Beate Eckhardt, Geschäftsführerin SwissFoundations, +41 44 440 00 10, beate.eckhardt-at-swissfoundations.ch

Prof. Dr. Dominique Jakob, Leiter Zentrum für Stiftungsrecht an  der Universität Zürich, +41 44 634 15 76, dominique.jakob-at-rwi.uzh.ch

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter Centre for Philanthropy Studies (CEPS) an der Universität Basel, +41 79 331 27 83, georg.vonschnurbein-at-unibas.ch

Download Schweizer Stiftungsreport 2011

Basel, 11. März 2011

An der Universität Basel fand am 8. März 2011 ein Symposium zum Rechnungswesen für Förderstiftungen statt. Anlässlich der Präsentation des Buches „Rechnungslegung und Revision von Förderstiftungen“, Band 8 der Reihe „Foundation Governance“, befassten sich die fast 60 Teilnehmenden mit aktuellen Fragen zur Buchhaltung und Vermögensbewertung von Förderstiftung. Veranstalter waren das Centre for Philanthropy Studies (CEPS) und SwissFoundations, der Verband der Schweizer Förderstiftungen.

Seit der Einführung der Swiss GAAP FER 21 für spendensammelnde Nonprofit-Organisationen (NPO) im Jahr 2002 hat sich die Rechnungslegung in der Schweiz für NPO kontinuierlich weiterentwickelt und professionalisiert. Im Zuge dieser Veränderungen sind in betroffenen Kreisen vermehrt Fragen zur Relevanz der neuen Standards als auch zu ihrer Implementierung entstanden.
Die Referate von Experten aus Wissenschaft, Beratung und Praxis machten deutlich, dass Förderstiftungen mit wenig Aufwand ein internes Kontrollsystem oder eine Jahresrechnung nach Swiss GAAP FER 21 erstellen können. Fehlendes Wissen statt fehlender Mittel ist daher häufiger der Grund, warum Förderstiftungen ihre Rechnungslegung nicht nach modernen Standards gestalten. Mit Beiträgen von elf Autoren bietet die neue Publikation praxisorientierte Handlungsempfehlungen, um Förderstiftungen die Umstellung zu erleichtern.

Weitere Informationen:

Das Buch ist ab Ende März im Buchhandel erhältlich:
Egger, Ph./ von Schnurbein, G./ Zöbeli, D./ Koss, C. (Hrsg.): Rechnungslegung und Revision von Förderstiftungen – Handlungsempfehlungen für die Praxis, Foundation Governance Bd. 8, Basel: Verlag Helbing Lichtenhahn, ISBN: 978-3-7190-3057-5
Weitere Informationen zur Herausgeberreihe Foundation Governance finden Sie hier: www.ceps.unibas.ch/forschung/publikationen.

Weitere Auskünfte:

Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Centre for Philanthropy Studies (CEPS), Universität Basel, Peter-Merian-Weg 6, 4002 Basel, Tel. +41 / 61 /267 23 92, E-Mail: georg.vonschnurbein[a]unibas.ch

Zürich, 01. Oktober 2010

Stiftungswesen wächst trotz der Finanzkrise

Im Jahr 2009 sind in der Schweiz 348 gemeinnützige Stiftungen gegründet worden. Die höchste Stiftungsdichte findet man im Kanton Basel-Stadt, die grösste Anzahl an Stiftungen ist im Kanton Zürich. Laut dem Schweizer Stiftungsreport 2010 des Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel waren Ende 2009 insgesamt 12‘023 gemeinnützige Stiftungen in der Schweiz registriert.

Beim Stiftungswachstum in der Schweiz waren im Jahr 2009 die Bremsspuren der Finanz- und Wirtschaftskrise spürbar. Die Anzahl der neu gegründeten Stiftungen ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Während 2008 noch 491 Stiftungen gegründet wurden, sind die 348 Neugründungen in 2009 auf das Niveau von vor 10 Jahren zurückgegangen (-29,1%). Jedoch ist dieser Rückgang vor allem bei Stiftungen mit lokalem oder kantonalem Zweck zu finden. Die Anzahl der Neugründungen unter eidgenössischer Stiftungsaufsicht mit nationalem oder internationalem Zweck ist deutlich stabiler. Dort ist die Anzahl der Neugründungen von 268 auf 238 nur um 11,2% gesunken.

Stiftungsstadt Basel

Im kantonalen Vergleich liegt der Kanton Zürich mit 2091 gemeinnützigen Stiftungen deutlich vor den Kantonen Waadtland (1324 Stiftungen) und Bern (1298). Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Basel mit einer Stiftung auf 231 Einwohner eindeutig die Stiftungshauptstadt der Schweiz. Dort sind insgesamt 815 gemeinnützige Stiftungen eingetragen. Im schweizerischen Durchschnitt kommen 648 Einwohner auf eine Stiftung, ein Wert, dem der Kanton Zürich (646) am nächsten kommt.

Der Schweizer Stiftungsreport wird jährlich vom Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel herausgegeben und fasst aktuelle Zahlen, Fakten und Trends zum Stiftungswesen zusammen.

Download Schweizer Stiftungsreport 2010

Basel, 23. April 2010

Durch das anhaltende Wachstum der Stiftungen engagieren sich immer mehr Menschen in und für Stiftungen. Die Neuerscheinung „Die Förderstiftung“ aus der Reihe Foundation Governance bietet eine strukturierte Anleitung zur erfolgreichen Führung von Stiftungen. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Beispielen zeigen die Autoren, wie durch modernes Stiftungsmanagement die Ziele der Stiftung wirkungsvoll erreicht werden können.

Viele Stiftungen werden bereits heute professionell geführt. Auf Grund der zunehmenden Bedeutung von Stiftungen in der Gesellschaft besteht jedoch ein Bedarf an wissenschaftlich abgestützten Handlungsempfehlungen für ein modernes und wirkungsorientiertes Stiftungsmanagement. Prof. Dr. Georg von Schnurbein und Dr. Karsten Timmer bieten hierfür mit ihrem Buch „Die Förderstiftung“ einen umfassenden und strukturierten Leitfaden, der den Lesern ermöglicht neu gewonnene Erkenntnisse direkt umzusetzen. Die Autoren stellen erstmals einen systematischen Ansatz für ein (pro)aktives und ergebnisorientiertes Management von Stiftungen vor, der bisher für Praktiker  gefehlt hat.
Von der Gründung über die Stiftungspolitik bis hin zur Wirkungsmessung werden alle wichtigen Aspekte einer effizienten Gestaltung und Umsetzung des Stiftungszwecks behandelt. Ausgangspunkt ist ein modernes und professionelles Verständnis von Stiftungsarbeit, das sich am klassischen Dienstleistungsmanagement orientiert. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse werden die Bereiche Potenzialmanagement, Leistungsprozesse und Ergebnisorientierung auf strategischer und operativer Ebene beschrieben, um dadurch die Wertorientierung der Stiftung und die Schaffung gesellschaftlichen Nutzens zu erzielen. Zusammenhänge werden verdeutlich und systematische Vorgehensweisen erleichtert.
Das Buch ist als Leitfaden konzipiert, der durch viele Beispiele, Praxishilfen und Zusatzinformationen eine direkte Übertragung auf den Stiftungsalltag ermöglicht.
Die Förderstiftung: Strategie – Führung – Management ist der 7. Band der Schriftenreihe Foundation Governance. Die Reihe erscheint im Helbing Lichtenhahn Verlag in Basel und wird von SwissFoundations , dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, herausgegeben.

Die Autoren:

Prof. Dr. Georg von Schnurbein ist Assistenzprofessor für Stiftungsmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und Leiter des Centre for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel

Dr. Karsten Timmer ist geschäftsführender Gesellschafter der Panta Rhei Stiftungsberatung mit Sitz in Mannheim/Deutschland und Geschäftsführer der Arcanum Stiftung in Fribourg.

Buchinformationen

von Schnurbein, Georg/ Timmer, Karsten: Die Förderstiftung: Strategie – Führung – Management, Foundations Governance, Band 7, Helbing Lichtenhahn Verlag, Basel, 2010.
ISBN 978-3-7190-2953-1

Basel, 17. Februar 2010

Erste Gesamtanalyse zur Philanthropie in der Schweiz

In der Schweiz werden pro Jahr rund 3 Mrd. Franken an Bar- und Sachmittel sowie 31 Mrd. Franken in Form von Freiwilligenarbeit gespendet. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Basel. Sie gibt zudem erstmals einen Überblick über die Institutionen, die sich für die Förderung der Philanthropie in der Schweiz einsetzen.

Die Studie «Philantropie in der Schweiz» des Centre of Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel untersuchte philanthropische Handlungen in der Schweiz mittels einer Sekundäranalyse bestehender Daten. Rechnet man diese auf die Schweizer Bevölkerung hoch, spenden Privatpersonen pro Jahr zusammen rund 1,6 Mrd. Franken, inklusive Erbschaften und Legate. Dazu kommt das gemeinnützige Engagement von Unternehmen, das sich jährlich auf 800 Mio. bis 1 Mrd. Franken beläuft. Zusätzlich schütten die rund 12'000 gemeinnützigen Stiftungen pro Jahr zwischen 1 und 1,5 Mrd. Franken an wohltätige Organisationen oder Projekte aus.

Auf Grund von Überschneidungen ergibt sich ein Gesamtvolumen an Geldspenden von etwa 3 Mrd. Franken pro Jahr. Dabei handelt es sich um einen Mindestwert, da insbesondere die Sachspenden in den Berechnungen ungenügend berücksichtigt werden konnten.

Der Wert des freiwilligen Engagements durch Arbeit wird in der Schweiz auf gegen 31 Mrd. Franken geschätzt. Dies entspricht 700 bis 750 Mio. Stunden, in denen sich Personen in der Schweiz freiwillig für das Gemeinwohl einsetzen. Auch Unternehmen fördern das freiwillige Engagement ihrer Mitarbeiter durch Freistellungen oder flexible Arbeitszeiten, und zunehmend fliessen solche Programme in die Corporate-Social-Responsibility-Strategien der Schweizer Unternehmen ein.

Mit dieser Gesamtanalyse philanthropischer Handlungen von Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen korrigiert die Studie das gängige Bild, wonach Philanthropie vorwiegend von reichen Menschen oder begüterten Stiftungen ausgeübt wird.

Vielfältige Motive

Die Studie analysiert auch die Motive, die philanthropische Handlungen auslösen. Man spricht hier von Motivbündeln, die verschiedene und auch sich widersprechende Elemente enthalten können. Je nach Akteur und Handlungsdimension sind diese Motivbündel unterschiedlich zusammengesetzt: Neben rein altruistischen Motiven können auch eigennützige Gründe für philanthropische Handlungen ausschlaggebend.

Topografie der philanthropischen Infrastruktur

In ihrer Studie haben die Basler Forscher auch eine Karte der philanthropischen Infrastruktur entwickelt. Sie umfasst alle Institutionen, die sich auf einer übergeordneten Ebene für die Förderung der Philanthropie einsetzen, zum Beispiel durch Forschung, Beratung, Freiwilligenvermittlung oder die Vergabe von Gütesiegeln.

Bericht als Download

Basel, 26. November 2008

An der Universität Basel wurde heute Mittwoch, 26. November 2008, das erste interdisziplinäre Zentrum für Philanthropie und Stiftungswesen in der Schweiz offiziell eröffnet. Ziel des Centre for Philanthropy Studies (CEPS) ist, eine wissenschaftlich fundierte Forschung, Weiterbildung und Dienstleistung im Stiftungswesen zu fördern und anzubieten. Die Auftaktveranstaltung fand im Rahmen des diesjährigen Schweizer Stiftungssymposiums des Verbandes der Schweizer Förderstiftungen «SwissFoundations» statt, der das Zentrum in den nächsten fünf Jahren mit 2,5 Mio Franken unterstützt.

Eröffnet hat das Kolloquium Dr. Annemarie Huber-Hotz, Präsidentin der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft und ehemalige Bundeskanzlerin. „Für die Förderung der Philanthropie brauchen wir eine solide wissenschaftliche Durchdringung der Grundlagen“, betonte Sie und wies auf die vielen ungelösten Fragen in Zusammenhang mit Gemeinnützigkeit und freiwilligem Engagement hin.

Am Schweizer Stiftungssymposium wird heute und morgen die Rolle der Stiftungen als gesellschaftliche Impulsgeber diskutiert. Mit wissenschaftlichen Beiträgen und Praxisbeispielen soll gezeigt werden, wie Stiftungen ihre Tätigkeiten innovativ ausrichten können.  Weitere Beteiligte sind Dr. Stephan Schmidheiny, Katja Gentinetta und Roger de Weck.

Ins Leben gerufen hat das CEPS SwissFoundations, der Verband der Schweizer Förderstiftungen, der über verschiedene seiner Mitglieder auch die fünfjährige Anschubfinanzierung sicherstellt. Zu den Mitfinanzierern gehören die Avina Stiftung, die Ernst Göhner Stiftung sowie die Gebert Rüf Stiftung, die Sophie und Karl Binding Stiftung, die GGG Gesellschaft für das Gute und das Gemeinnützige Basel und die Christoph Merian Stiftung aus Basel. Neben der Anschubfinanzierung durch die Stiftungen stellt die Universität Basel dem Zentrum für die kommenden fünf Jahre zusätzlich rund eine Mio. Franken zur Verfügung.

Interdisziplinäre Ausrichtung
Ein besonderes Schwergewicht des neuen Zentrums liegt auf der interdisziplinären Ausrichtung. Die gesellschaftlich einzigartige Stellung von Stiftungen erfordert eine vernetzte Betrachtung, da rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen eng miteinander verknüpft sind. So muss der Stiftungszweck beispielsweise nicht nur rechtlichen Anforderungen genügen, sondern auch ökonomisch umsetzbar sein und einen gesellschaftlichen Bedarf decken. Das neue Zentrum wird seine Aufgaben deshalb in enger Zusammenarbeit mit mehreren Fakultäten der Universität Basel umsetzen, vornehmlich mit der rechtswissenschaftlichen und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Angestrebte Schwerpunkte der Forschung sind die Wirkungs- und Erfolgsmessung in Stiftungen, die gesellschaftliche Bedeutung von Stiftungen und die Fähigkeit von Stiftungen, Innovation und soziales Kapital zu fördern. Geleitet wird das CEPS von Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Assistenzprofessor an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel.

Schwerpunkt Weiterbildung
Neben der wissenschaftlichen Forschung bietet das CEPS eine breite Palette von Dienstleistungen in Beratung und Weiterbildung für Stifter, Stiftungsvertreter und andere interessierte Personen an. Geplant sind Seminare, Workshops und Publikationen. Am 16. März 2009 beginnt der erste einwöchige Intensiv-Lehrgang Stiftungsmanagement. Langfristig soll das Weiterbildungsprogramm auch ein University Professional-Programm umfassen, das insbesondere die interdisziplinäre Ausrichtung des Zentrums in die praktische Wissensvermittlung überträgt.

Zürich/Basel, 6. März 2008

An der Universität Basel entsteht das erste interdisziplinäre Kompetenzzentrum für Stiftungswesen und Philanthropie der Schweiz. Lanciert wurde das mit 2.5 Millionen Franken veranschlagte Vorhaben von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen. Ziel ist es, eine wissenschaftlich fundierte Forschung, Weiterbildung und Dienstleistung im Stiftungswesen zu fördern und anzubieten.

Die Universität Basel wird ab Herbst 2008 ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Stiftungswesen und Philanthropie aufbauen. SwissFoundations, der Verband der Schweizer Förderstiftungen, hat die Idee lanciert und stellt für die Realisierung über verschiedene Mitgliederstiftungen eine Anschubfinanzierung von 2.5 Millionen Franken für fünf Jahre bereit. Eine Finanzierungsbeteiligung bereits zugesagt haben die AVINA STIFTUNG, Hurden, die GEBERT RÜF STIFTUNG, Zürich, sowie die Sophie und Karl Binding Stiftung, Basel.

Ausschreibungsverfahren gewonnen

Im Rahmen einer Ausschreibung waren mehrere Schweizer Universitäten eingeladen, sich um diese Fördermittel zu bewerben. Ausgewählt wurde die Universität Basel, die ein überzeugendes Konzept für die vorgeschlagene Einrichtung eines solchen Zentrums vorlegte.

Der Schweizer Stiftungssektor ist eine eigentliche Wachstumsbranche. Zu den heute geschätzten 11'000 gemeinnützigen Stiftungen kommen jedes Jahr neue dazu. Das jährliche Ausschüttungsvolumen liegt geschätzt bei rund einer Milliarde Franken. Dies entspricht in etwa zwei Prozent des gesamten Bundeshaushaltes - Tendenz steigend. Die Themen Stiftung und Gemeinnützigkeit waren ausserhalb des Stiftungsrechts jedoch kaum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Es fehlt nicht nur an verlässlichen Angaben zu Grösse, Entwicklung und Bedeutung des Sektors, sondern auch an einem wissenschaftlich abgestützten Orientierungsrahmen für die strategische und operative Stiftungsarbeit. Diese Lücken sollen mit dem neuen Zentrum in Basel geschlossen werden. Daneben wird das neue Zentrum auch Dienstleistungen in Beratung und Weiterbildung für Stifter, Stiftungsvertreter und andere interessierte Personen anbieten.